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Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft : ein Beitrag zum Problem der Schutzbriefgesellschaften und zur Geschichte Deutsch-Ostafrikas / von Bruno Kurtze
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Vorwort.

Die vorliegende Arbeit über die Deutsch-Ostafrikanische Ge­sellschaft, deren Werdegang bis zur Ablösung ihrer Hoheits­rechte, nicht auch in seinem späteren Verlaufe, verfolgt wird, ist als ein monographischer Beitrag zum Problem der Schutz­briefgesellschaften gedacht. Diese Organisationen haben seit den Tagen des Merkantilismus, bald Handelskompagnien, bald Kolonisationsgesellschaften genannt, im Wirtschaftsleben Europas eine bedeutsame Rolle gespielt. Daß sie auch in der politischen Geschichte hervorgetreten sind, geht eine rein wirtschaftliche Problemstellung zunächst nichts an. Sie hatten ihre Blütezeit zwischen 1650 und 1750 und verloren mit dem Aufkommen und Erstarken des wirtschaftlichen Liberalismus nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch jeden Boden unter den Füßen. Erst die neuerlichen Expansionsbestrebungen der europäischen Staaten, seit Anfang der achtziger Jahre etwa, haben auch wieder Organisationen dieser Art geschaffen, wie die North-Borneo-Company, die hier betrachtete Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft und andere. Viele dieser Gesellschaften, und namentlich jene älteren, sind in der politischen Geschichte sowohl, wie unter dem Gesichtspunkte ihrer formalen, handelsrechtlichen Organisation und ihrer Bedeutung in der Geschichte der Unternehmungsformen behandelt worden. Eine Darstellung jedoch, die im besonderen ihre wirtschaftlichen Funk­tionen und ihre Stellung in der jeweiligen Wirtschaftspolitik ihrer Heimatstaaten berücksichtigt hätte, ist ihnen bisher in deutscher Sprache nicht und, soweit ich es feststellen konnte, auch in keiner fremden zuteil geworden, und so wird einstweilen neben anderen auch die Frage offen bleiben müssen, ob die älteren Kompagnien, wie die englisch-ostindische und die holländisch-ostindische, ge­messen an dem Maßstab unserer geltenden sozialökonomischen Begriffe, als handelspolitische oder als kolonialwirtschaftliche Organisationen anzuschen seien.