Einleitung.
Seit Jahren sind unsere deutschen Kolonien die Schmerzenskinder des Reichstages oder vielmehr derjenigen seiner Mitglieder, die mit voller Freude seinerzeit die Schaffung eines größeren Deutschlands jenseits der Weltmeere begrüßten, aber zusehen mußten, wie Jahr für Zahr, abgesehen von dem kleinen Togo, die Opfer, die das deutsche Volk zu bringen hatte, um diesen neuen Kolonialbesitz auszubauen, immer größer wurden, ohne daß eine feste Zuversicht vorhanden war, daß diese Opfer aufhören resp. reichen Segen bringen würden.
Wie oft habe ich es an mir selbst erfahren, daß ich in der Budgetkommission und im Plenum des Reichstages eintreten und stimmen mußte für Ausgaben, die im Etat gefordert wurden, ohne daß ich mir volle Rechenschaft geben konnte, ob sie in allen Einzelheiten berechtigt seien, und ob das Geld am rechten Platze ausgegeben würde. Kam dann von gegnerischer Seite lebhafter Widerspruch, und wurde von den oppositionellen Parteien die Entwickelungsgeschichte unserer Kolonien geschildert als eine Leidensgeschichte voller Opfer an Gut und Blut, wurde dann mit scheinbar sachverständiger Miene unseren überseeischen Gebieten jede Entwickelungsfähigkeit abge-
Paasche, Deutsch-Ostafrika. 1