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Heimkehr und Rückblick
heimwärts gen Norden! Zuerst nach Rio zurück und dann mit deutschem Dampfer nach Europa! Unsere kleine „Anna" stampft und rollt in der Küstendünung, blasse Mienen künden den Triumph Ägirs, des Herrn der Fluten: Man opfert ihm Vack- bord und Steuerbord . . .
Diese brasilischen Küstendampfer sind eine Teufels erfindung. Um die vielen Flußbarren überwinden zu können, sind sie flach gebaut und haben wenig Tiefgang. Aber gerade an der Küste ist der Atlantische Ozean, das Angeheuer, stets in lebhafter Bewegung. Wehe dem ahnungslosen Mitteleuropäer, der sich mit Heiterkeit und Appetit an die Frühstückstafel seht — ehe die Woge dreimal rollt, naht das Verhängnis . . .
Bevor ich die gastlichen Gestade des gesegneten Staates Santa Catharina verlasse, will ich aber noch vor einer lusobrasilischen Räuberhöhle eindringlich warnen: das liebliche Hotel de Commercio im Hafen von Sao Francisco erreicht den Weltrekord unverschämter Prellerei. Eine schmierige alte Negerin brachte mir zwei weiche Eier in der Schale und eine Tasse Kaffee. Das eine Ei war faul, und der Kaffee schmeckte sauer. Dafür sollte ich drei Milreis, nach dem jetzigen Kurs nahezu fünf Mark berappen! Da ich Skandal schlug, einigten wir uns auf zwei Milreis für ein faules und ein genießbares Ei sowie eine ungenießbare Tasse Kaffee.
Fremdling, wenn du gen Brasilien gondelst, so tue Geld in deinen Beutel. Rio de Janeiro ist die weitaus teuerste Stadt der bewohnten Erde! Davon weiß ich ein Lied zu singen. Dagegen ist das als kostspielig verschriene Wien einfach eine Schlaraffenidylle, wo Milch und Honig umsunsten fleußen. Wo die Leute nur alle die Goldbarren hernehmen? Denn in Rio wird fabelhafter
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