XXI. Urwaldritt
aufrisch der Sonntagmorgen. Drei muntere Kumpane — tres taeiunt Kollegium — ritten wir in den tausendjährigen Urwald hinein auf schmalem Pikadenpfad. Helios sendet trotz des brasilischen „Winters" seine Glutenpfeile recht unbarmherzig herab
— im Juli, dem „kalten 'Wintermond", sind immer noch 24" 0 im Schatten. Da es in der Nacht einen gehörigen Tropenguß mit Gewitter gegeben, spiegelt sich Frau Sonne in unzähligen Pfützen des Pikadenweges. Klitsch
— klatsch! trabt meine braune, kleine Mule durch die Wassertümpel Brasiliens munter dahin. Die siegende Kraft des Lichtes wird die Pfützen schon austrocknen, die Regierung tut es ja doch nicht. Doch sei zur Ehre Blumenaus gesagt, daß ich nirgends in Vasilien so verhältnismäßig gutgehaltene Straßen fand wie in dieser deutschen Musterkolonie. Kreuz und quer scheinen diese Pikaden in den gewaltigen Urwald gehauen zu sein, und doch ist System in der Sache; diese wackeren germanischen Pioniere haben uns den Ritt erleichtert, denn ohne diese Pfade kämen wir nicht drei Schritte weit. „IIMa. 60 Mto" (Katzenkralle) nennt der Caboclo die Dornbüsche, die tückisch nach dem kühnen Reiter langen, der in ihr Revier will, und mancher kann seufzend klagen:
„Nur eine letzte Hose zeugt von entschwund'ner Pracht, Auch diese, schon geflickte, kann reißen über Nacht. . ."
Auf den „Deutschländer" (wie der Teutrobrasilier den Bruder aus Europa nennt) macht der Urwald einen ganz anderen Eindruck, als die Phantasie daheim wohl annimmt. Ein „Wald" in unserem Sinne ist es gar nicht. Ein Gewirr von Bäumen, Gestrüpp, Schlingpflanzen, Dornbüschen und Gräsern. Lianen und Zipos umschlingen die moosbehangenen Urwaldiesen, wie eine schier undurchsichtige grüne Wand starrt dir dieser seltsame
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