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An der Barre von Rio Grande
as eine „Barre" für die Seefahrt bedeutet, weiß ich seit den qualvollen Tagen, an denen wir in Rio Granda (im äußersten Süden Brasiliens, nicht mehr weit von Montevideo und Buenos Aires) vor der infamen Sandbank lagen, über die alle Fluten der Lagoa dos Patos in den Atlantik strömen und wir des niedrigen Wasserstandes wegen nicht auskaufen konnten. Diese Varre ist durch die ungeheuren Sandmengen entstanden, die der Guahyba mit seinen vielen Nebenflüssen in die Lagoa sendet; das bei Nordost- wind aus der Lagoa gepeitschte Wasser läßt nur eine so seichte Fahrrinne zurück, daß alle Dampfer mit größerem Tiefgang sich unfehlbar im Sand festfahren. Da heißt es denn geduldig warten, bis der Wind gütigst nach Südwest oder Süd umspringt und die salzigen Wogen wieder in die Lagoa zurücktreibt, so daß man über die tückischen Sandbänke rutschen kann, ohne sich festzufahren, was leider häufig geschieht.
Seit achtundvierzig Stunden warten wir mit der in Brasilien landesüblichen xaeieneia auf günstigen Wind. Mit uns vier andere Dampfer. Nun ist eine französische Aktiengesellschaft seit Iahren von der brasilischen Regierung beauftragt, durch Molenbauten und Vaggermaschinen die Barre zu beseitigen. An hundert Millionen Franken haben die liebenswürdigen Causeure vom Seinestrand schon geschluckt, weitere hundert Millionen werden folgen, aber fahrbar ist die Barre nicht! Und wird sie auch nicht — wenn die Aktionäre nur Geld schnappen .. . Das ist typisch für Brasilien: Bei solchen Millionenaufträgen schluckt jeder Politiker, Beamte und Agent munter mit, so kleine „Panamaskandälchen" regen hier niemand mehr auf. Die stolze RspuMea. Äos ^«wäos Ilmäos 60 Brasil scheint Geld wie Heu zu haben, und
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