XU. Santa Cruz
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ie besten Frauen sind bekanntlich die, von denen am wenigsten gesprochen wird.
So geht es auch mit den deutschen Siede- lungen in Südbrasilien. Liebliches Santa Cruz, kernhaft deutsche Kolonie im Herzen des Staates Rio Grande do Sul, dir gebührt ein Ehrenplatz in meinen Erinnerungen!
An einem prachtvollen Abend bestieg ich den Dampfer, der mich von Porto Alegro nach Margem bringen sollte. Die brasilischen Verkehrseinrichtungen sind noch recht klägliche. Dieser alte unsaubere Kahn brachte uns in fünfstündiger Vummelfahrt nach Margem, wo wir bis 6 Uhr früh still lagen, da dann erst die Eisenbahn über Couto nach Santa Cruz abzugehen die Gnade hat.
Belgisches Großkapital beutet in denkbar brutalster Form ein Monopol aus, das vom Staate Rio Grande diesen Dividendenschnappern zu Brüssel für alle Eisenbahnbauten in echt brasilischer Schlamperei verliehen wurde. Wieviel politische Rotabeln dabei profitierten, meldet kein Lied noch Heldenbuch, aber ohne Bestechung ist in dieser Mestizenrepublik nichts zu erreichen. Ein Dankee hat daher auch das drastische Wort in Umlauf gesetzt: Wie schön wäre Brasilien, wenn man die Vrasilier an die Luft setzen könnte!
Denn andere Kerle sind die Z)ankees, Lusobrasilier — wehte hier das Sternenbanner, das Wunderland stände groß da im Rate der Völker!
Noch besser wäre es natürlich, die deutschen Fahnen könnten hier das Germanenblut schützen, aber bei der ewigen Angstmeierei der deutschen Diplomaten riskiert man eine Ohnmacht des reichsdeutschen Gesandten, wenn man einen solchen Ketzergedanken nur leise flüstert . . . Die Bahn nach Santa Cruz ist mit der üblichen
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