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Nach Porto Alegre
jas war eine tolle Sturmnacht zwischen Floriano- polis und Rio Grande!
Ein idyllisches Eiland, dieses blumenüber- säte Florianopolis. Hier ist die Klimazone des ewigen Frühlings. Subtropisch im besten Sinne des viel mißbrauchten Wortes. Wir fuhren an einem wonnesamen Maientag in den Atlantischen Ozean hinaus; der kleine brasilische Küstendampfer „Itapema" tanzte wie besessen auf der wilden Meerflut, denn von Südost blies uns ein Wind in die Zähne, wie er in diesen stillen Breiten nur selten vorkommt. Gegen Abend verwandelte sich die steife Vrise in einen Orkan, wie ihn selbst der wetterharte Kapitän, ein origineller eisgrauer Engländer, selten erlebt haben will.
Was soll ich schildern, ohne der Übertreibung beschuldigt zu werden? Genug! Wir wachten die schaurige Nacht an den Rettungsbooten. Die wilde Heulmelodie des wütenden Sturmes wird mir noch lange in den Ohren gellen. Die Sturzseen spritzten nur so über Deck, ein Voot riß es aus den Tauen glatt in den gurgelnden Strudel. Noch heute erscheint es mir wie ein Wunder, daß niemand „über Vord" ging. Vis auf die Haut durchnäßt, sahen wir tatenlos dem Rasen der Elemente zu. Nie sah ich einen gewaltigeren Kampf am Himmelszelt, als den die aufgehende Sonne mit den zerfetzten Sturmwolken ausfocht. Endlich triumphierte das strahlende Tageslicht, die schwarz-graue Orkanwand zer- flatterte vor Helios' sengenden Pfeilen, und als der Mittag kam, leuchtete Mutter Sonne friedlich herab — die Attacken der heulenden Windsbraut waren siegreich abgeschlagen.
Jetzt sitze ich in Porto Alegre in einem urdeutschen Hause bei braven Landsleuten.
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