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6. Die kulturelle Seite.
Die kulturellen Wirkungen der internationalen Niederlassungen sind in einigen Fällen sehr bedeutend. Zunächst seien die unmittelbaren erwähnt, die durch Schulen, Missionen, Zeitungen u. dgl. erstrebt werden.
Schanghai ist heute der Sitz einer großen Anzahl namhafter Schulen. Da es mit der französischen Konzession zusammen eine Stadt darstellt, die vom Handel ganz Chinas ernährt wird und in der Europäer und Chinesen beisammen wohnen, so ist es wie wenige andere Plätze geeignet, Ost und West miteinander in Berührung zu bringen. Eine große Reihe von reichen Chinesen hat hier fremdes Wesen in der Nähe kennen gelernt und zum Teil angenommen. Andere sind bei Gelegenheit von Unruhen hierher geflüchtet, und so fand sich hier ein großes Schülermaterial zusammen, das auch durch das Alter der Fremdenstadt Schanghai zusammengeführt wurde, da diese ja einer der ersten Punkte war, an denen protestantische Missionare das Land betraten und Unterrichtsanstalten von Ruf begründeten. Noch heute, wo die Mission schon längst ihre Tätigkeit ins Innere des Landes verlegt hat, ist Schanghai der Sitz einiger protestantischer Bischöfe und geistlicher Würdenträger, vieler Missionsanstalten 1 ) und der Prokuren der meisten katholischen Missionen. Daß auch diese selbst noch in Schanghai arbeiten, wurde schon bei der Besprechung der Jesuitenniederlassungen in der französischen Konzession ausgeführt. Namentlich die reichen Mittel der amerikanischen und englischen Missionsgesellschaften haben in der internationalen Niederlassung Schanghais eine Reihe von Unterrichtsanstalten hervorgerufen, die mehr oder minder Hochschulcharakter tragen, wie z. B. die Harvard Medical School, die chinesische Ärzte heranzieht und in Verbindung mit dem gleichfalls von amerikanischem Gelde unterhaltenen St. Luke's LTospital steht, oder die von amerikanischen bischöflichen Kreisen unterhaltene St. Johns Universität 2 ). Die Bedeutung Schanghais als anerkanntes Zentrum für westländische Kultur war auch die Ursache, daß der erste Schritt zu einem Unter-
x ) Unter den protestantischen Missionsgesellschaften hebe ich das amerikanische •»International Institute« hervor, das sich besonders der Mission unter den höheren Klassen in sehr verdienstvoller und feinsinniger Weise widmet. Gerade dies wäre eine dankbare und naheliegende Aufgabe auch für die deutschen Missionen, namentlich den allgemeinen evangelischen Missionsverein, für die es aber bisher noch leider sehr an Mitteln fehlt.
2 ) Der »Ostasiatische Lloyd« hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er im Jahre 1912 eine Reihe von Aufsätzen über die von Ausländern in Schanghai unterhaltenen Unterrichtsanstalten brachte, auf die hier verwiesen sei.