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Hafenkolonien und kolonieähnliche Verhältnisse in China, Japan und Korea : eine kolonialpolitische Studie / von Ernst Grünfeld
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war nicht nur deren Uneinigkeit, sondern auch, wie im Falle von Nagasaki, ihre Unzufriedenheit mit der Führung der Geschäfte. Auch in Yokohama wurde stets über den Zustand der Straßen, deren Be­leuchtung u. dgl. geklagt. Die Geldmittel, um die es sich bei der Verwaltung der Niederlassungen handelte, waren ziemlich un­bedeutend, so daß sich ein näheres Eingehen erübrigt.

Von den internationalen Niederlassungen in Korea kam vom Standpunkt der Verwaltung nur Tschemulpo in Frage, wo bis zur Auflösung eine fremde Stadtverwaltung bestand. Die Verhältnisse waren hier so klein, daß außer bei der Polizei, die igio den japanischen Behörden abgetreten wurde, fast keine besonderen Beamten be­schäftigt wurden. Die wichtigsten Ausgaben waren früher die für Polizei, ferner Straßenreinigung, Beleuchtung und öffentliche Ar­beiten. Die Einnahmen bestanden zu mehr als zwei Dritteln aus Steuern, der Rest aus Zinsen des angesammelten Vermögens, Li­zenzen und kleinen Einnahmen verschiedener Art.

Von allen Niederlassungen ist also eigentlich nur Schanghai mit Bezug auf den Umfang seiner Verwaltung und die dabei auf­gewendeten Mittel bemerkenswert, und wie schon ausgeführt, ist es das »Muster« für alle übrigen Niederlassungen gewesen, in denen stets darauf Bezug genommen wird, was Schanghai tut, so wie die Verwaltungen kleinerer Städte in Europa sich nach den Provinz­hauptstädten und diese wieder gerne nach der Residenzstadt richten. Aber Schanghais Budget verträgt auch einen Vergleich mit dem der Kolonien. Flongkongs, der gleich alten Kolonie, Ausgabeetat ist nur etwa zweimal größer als der Schanghais, obwohl es große militärische Lasten und die Kosten der vielköpfigen Kolonialregie­rung zu tragen hat. Schanghai hat im Verhältnis nur unbedeutende Ausgaben für seine Verteidigung zu tragen, ebenso auch die anderen Niederlassungen, und es ist daher erklärlich, daß sie sich selbst er­halten können und meist sogar sehr gut auskommen. Sie haben

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allerdings eine zahlreiche und steuerkräftige Bevölkerung, und ein großer Teil der Verwaltungsgeschäfte wird von Ehrenbeamten besorgt.

4. Politische Bedeutung und Machtaufwand.

Die politische Rolle der internationalen Niederlassungen ist eine untergeordnete, d. h. sie selbst üben unmittelbar keinen politischen Einfluß aus, aber damit ist nicht gesagt, daß sie ohne Einfluß auf die politische Geschichte Ostasiens wären. Allerdings ist dieser Ein­fluß meist ein mittelbarer, oder er besteht darin, daß die Ausbildung