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Hafenkolonien und kolonieähnliche Verhältnisse in China, Japan und Korea : eine kolonialpolitische Studie / von Ernst Grünfeld
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8. Schluß.

Es ist schwer, ein abgeschlossenes Bild der sechs Kolonien zu gewinnen. Sie sind durchaus eine Erscheinung modernen kolonialen Lebens, denn das Macao aus der Zeit vor dem Aufkommen Hong­kongs fällt eigentlich aus dem Rahmen der übrigen Kolonien heraus und reiht sich unter die zahlreichen Faktoreien ein, die den Wegf

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der ersten Kolonialvölker der neuen Zeit bezeichnen. Die jüngsten unter den Kolonien wieder haben erst eine so kurze Geschichte, daß man mehr von Ansätzen zu einer Entwicklung, als von einer solchen selbst reden könnte. Dennoch verlangt die wissenschaftliche Be­trachtung auch heute schon Klarheit über den geschaffenen Zustand, und bei näherem Zusehen findet sich auch manches Gemeinsame, das die Gegenstände dieses Kapitels verbindet.

Schon die Aufzählung der sechs Kolonien nach dem Zeitpunkte ihrer Begründung und nach ihrer Lage von Süden nach Norden stellt sie in den geschichtlichen Zusammenhang, der im vorigen Kapitel dargelegt wurde und der ihnen ihre Stellung in der kolonialen Entwicklung anweist. Sie alle sind Versuche der Weltmächte ihrer Zeit, sich in dem großen Stück der Erdoberfläche, das China dar­stellt, festzusetzen, je nach den Mitteln ihrer Zeit und je nach ihrer nationalen Eigenart. Wo immer in der Welt politische Ver­schiebungen eingetreten sind, die nicht auf Auswanderung beruhten (wie im Mittelmeer zur Zeit der griechischen Kolonisation), haben solche Etappen in fremden Ländern entweder zu einer Ausdehnung der Machtsphäre in den fremden Gebieten geführt, wie die Be­gründung des indischen Kaiserreichs und der afrikanischen Kolonien, oder die Handels- und Schiffahrtsstützpunkte verschwanden, wenn ihnen von daheim nicht genügend Kräfte zugeführt wurden, oder der Nährboden, auf dem sie erwuchsen, zu einer erfolgreichen Ver­treibung oder Aufsaugung der Eindringlinge stark genug war. Macao war dieser Gefahr ausgesetzt, als Canton erstarkte, und die Festsetzung der Engländer in Llongkong, die durch die unruhigen Zustände in Canton und die Kurzsichtigkeit der Portugiesen in Macao veranlaßt wurde, hat nur den Briten zugeführt, was den