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Hafenkolonien und kolonieähnliche Verhältnisse in China, Japan und Korea : eine kolonialpolitische Studie / von Ernst Grünfeld
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5. Machtaufwand und politische Bedeutung.

Der Machtaufwand, der in oder in Verbindung mit den Kolonien entfaltet wird, dient sowohl zur Verteidigung der Kolonien gegen Ausland und Hinterland, als auch zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in den Gebieten selbst; schließlich aber kann die ganze Kolonie die Aufgabe haben, als Machtstützpunkt zu dienen, und dann hängt die militärische bzw. maritime Bedeutung der Kolonie nicht von ihr selbst ab, sondern von ihrer Stellung in dem Weltreich, zu dem sie gehört.

Macao, die älteste der Kolonien, ist zwar mit bewaffneter Hand besetzt und verteidigt worden, war aber mangels entsprechender Verbindung mit der Heimat nie ein großer Waffenplatz, eher ein Flottenstützpunkt, allerdings mehr für die Handelsflotte. Eine politische Bedeutung hat es nie gehabt. Hongkong dagegen wurde von den Engländern im Kriege mit China errungen und ist sofort als fester Ort in und gegen China eingerichtet worden. Es war aber auch ein wichtiger Punkt in der Kette von Befestigungen, die die britische Herrschaft um die ganze Erde gelegt hat. Hongkong als Flottenstützpunkt beherrscht die wichtigsten Straßen von Europa nach Ostasien, die Verbindung von China, Korea, Japan und den Sunda-Inseln mit Europa. Die Engländer hatten damit zu einer Zeit an den Gestaden des Stillen Ozeans festen Fuß gefaßt, als es noch keine andere große Seemacht dort gab. Heute sind die Verhältnisse allerdings schon stark verschoben, aber noch immer ist Hongkong einer der wichtigsten Kriegshäfen im Stillen Meer. Weihaiwei sollte wohl anfänglich ein Seitenstück zu Hongkong werden und den Ein­fluß Englands in Nordchina ebenso stark machen wie im Süden. Es ist ein strategischer Punkt, der tatsächlich geeignet wäre, den Zugang zum Meerbusen von Petschili zu beherrschen und war früher eine chinesische Festung. Die Japaner wußten wohl, warum sie es 1895 eroberten. Wenn die Chinesen es den Engländern einräumten, so rechneten sie vielleicht damit, daß es unter englischer Flagge die Stellung Rußlands in Port Arthur aufwiegen und mit diesem zu­sammen ein Bollwerk gegen die Japaner bilden könnte. England hat sich schon 1885 in den nördlichen Gewässern festzusetzen ver­sucht (Quelpart!) und wollte auf jeden Fall verhüten, daß eine andere Macht, Rußland oder Deutschland, dort Herr würde. Das Bündnis mit Japan zeigte dann, daß England sich für andere Mittel zur Sicherung seines Einflusses entschieden hatte. Japan beseitigte den unbequemen Nachbar Rußland, setzte sich aber selbst in Korea