auf den schleppenden Gang der Verhandlungen, die Entfernung und das oft mangelnde Verständnis für die Verhältnisse in der Kolonie als ein schwerer Übelstand empfinden wird.
3. Die Verwaltung.
Die Verwaltung der sechs Kolonien ist nicht nur im Einklang mit den übrigen Einrichtungen der betreffenden Kolonialstaaten, und mit den besonderen Aufgaben, denen die in Rede stehenden Kolonien gewidmet sind, sondern auch mit ihrer Geschichte.
Macao mit seiner großen Vergangenheit führt noch in die Zeit der alten Faktoreien zurück, wie sie die Entdecker der Erde, die Portugiesen und Spanier, bei ihren Fahrten anlegten. Es stand als erobertes Gebiet zunächst unter einem militärischen Befehlshaber, doch bildete sich schon 1587 eine gewählte Vertretung der Bürgerschaft, der Senat (leal senado), der unter der Leitung eines vom Vizekönig von Indien entsandten Beamten die Niederlassung verwaltete. Der Kommandant der kleinen Besatzung hatte keinen Einfluß auf die Regierungsgeschäfte, doch kam es mit der Zeit zu heftigen Kämpfen um die Macht zwischen den Kommandanten und der Bürgerschaft, bei denen oft Blut vergossen wurde. Aber erst das Übergreifen der politischen Parteikämpfe in Portugal nach der Napoleonischen Zeit auf Macao brachte mit dem Sieg der konstitutionellen Partei eine gründliche Änderung. 1835 wurde der Senat endgültig beiseite geschoben, und die ganze Regierungsgewalt fiel in die Hände des Gouverneurs. Und erst unter der Herrschaft der Gouverneure gelang es, Macao nach dem Beispiel des jungen Hongkong, von den Chinesen unabhängig zu machen, freilich zu spät, um es die Konkurrenz der benachbarten englischen Kolonie bestehen zu lassen. Was der Senat an Nachgiebigkeit gegen die Chinesen zuviel getan hatte, das suchten die energischen Gouverneure, die man jetzt nach Macao sandte, in wenigen Jahren nachzuholen; begreiflicherweise waren sie Militärs oder Seeoffiziere. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde Macao von Goa unabhängig gemacht und mit Timor und Solor zu einer Kolonie vereinigt. Erst in jüngster Vergangenheit wurde es von Timor getrennt; Solor war inzwischen verkauft worden. Es untersteht heute dem Kolonialministerium, seine Gouverneure sind aber noch immer Militärs und Marineoffiziere. Das Schicksal der Kolonie, die anscheinend zum Dahinsiechen verurteilt ist, spricht Bände gegen die bisherige Verwaltung, und zwar fällt die Schuld nicht etwa nur auf die Verwaltung in der Kolonie selbst, sondern vielmehr auf die in den Zentralstellen in Goa und