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Das überseeische Deutschland : die deutschen Kolonien in Wort und Bild / nach dem neuesten Stand der Kenntnis bearb. von Hutter ...
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wenn erst die Wohn- und Lebenooerhiiltnisse in Tsingtan ganz geregelt sein werden, ist sicher dmnit zn rechnen, daß ein lebl>after Znzuq von erhvlnng5- bedürftigen in Ostnsiell ansässigen Enrvväern uamentlich lvährend der Herbsi- monnte nach Tsingtan und vor allem nach dem Lau schan stattfinden wird.

III. Bevölkerung

Die Bevölkerung im deutschen Schutzgebiet zählt ungefähr 100000 Köpfe, die in 284 Ortschaften wohnen, Städte siud uicht vorhanden) Tsiugtau selbst lvar zur Zeit der Besetzung nnr ein Fischerdors mit etwa 1000 Einwohnern, das in letzter Zeit etwa,.' ausgeblüht war, da die chinesische Regierung beabsichtigt hatte, den Eingang zur Kiautschvubucht zu befestigeu und daher eine Garnison nach Tsiugtau verlegt hatte. Die Bevölkerung wohnt meist in geschlossenen Dörfern. Diese machen äußerlich eiueu recht guten Eindruck, der allerdings beim Betreten durch den in allen Ortschaften ganz Chinas üblichen Schmutz uud Geruch wesentlich beeinträchtigt wird. Die Bauart der Dörfer ist eiue regelmäßige) eiue Hauptstraße zieht vou Ost unch West, kleinere Straßen laufen parallel derfelbeu, audere kreuzen sie in rechtem Winkel. Nach Norden und Nordwesten sind die Dörfer wie auch die einzelnen Häuser wegen des in: Winter sehr scharf wehende« NordweftwindeS meist ganz abgeschlossen. Die einzelnen Hänser haben einen massiven Unterbau auS Bruchsteiueu, der aber ohue besondere Fnndmnentiernng auf den Erdboden aufgesetzt wird) auf deu Unterball iverdeu die Wände aus roh gebrannten Ziegeln oder aus Lehm und Stroh ausgeführt. Die Fenster werden mit dünnem Papier an Stelle der Glasscheiben versehen. Die Dächer bestehen anS Schilf, Kanliangstrvh, sel­tener aus Ziegeln, in den Fischerdörfern bisweilen aus getrocknetem Seetang. Der Fußboden der Wohuungen wird aus festgestampftem Ton hergestellt, er liegt etwa 30 ein über dem Erdboden. Die zu einem Gehöft gehörigen Ge­bäude werdeu durch etwa 2 in hohe Maueru umschlosseu, beziehungsweise mit­einander verbuudeu, wodurch die Ortschafteu trotz ihrer regelmäßigen Anlage sehr unübersichtlich sind. Fast in jedem Dorf befindet sich eine Schule, woraus man auf einen verhältnismäßig hohen Bildnngsgrad unserer neuen Lnnds- leute schließe» könnte, wenn nicht ein großer Teil dieser Schulen leer stände oder zu anderen Zwecken verwendet würde. Bei den Ortschaften finden wir meist Begräbnisstätten, die weithin durch hohe Baumgrnppen erkenntlich sind. Auch Tempel sind vielfach bei oder in den Dörfern, die den durchreifenden Fremden, auch den Europäern, bereitwilligst als Quartier zur Berfüguug ge­stellt werden. Dies scheint jedoch weiliger seinen Ursprung in einer besonderen Toleranz als in einer ausgesprochenen Gleichgültigkeit der Chinesen gegell Religion zu haben. Das Quartier in einem buddhistischen Tempel ist jeden­falls einem chinesischen Gasthof, soweit solche überhaupt in den immerhin kleinen Ortschaften vorhanden find, vorzuzieheu. Ju der frnchtbaren Paischahv- ebene im Norden des Schutzgebietes siud auch eiuige große Güter vorhanden) hierzu könnte man auch die großen, meist an herrlichen Plätzen gelegenen Tempel und Klöster rechnen, denn mit diesen ist snst immer eiue umfangreiche Landwirtschaft verbuuden, welche die Zeit der Priester mehr in Anspruch nimmt als ihr eigentliches Amt. Wenn Mailgel an Raum zur Unterbringuug der Feldfrüchte herrscht, so wird ohne weiteres der Tempel als Lagerraum mit