Die Samoaner gZZ
mit Rücksicht ans die Zlvangslage des Gouverneurs doch nicht tadeln, da dieser eben dnrnuf angewiesen ist. Die kampfesmüden Samoaner selbst haben, nachdem ihre lange mit allen möglichen Machtmitteln vergeblich versuchte Entwaffnung ilvie zn erwarten war) ohne Schwierigkeiten erfolgt ist, nicht nur die Kopf- stener von je 4 Mark anstandslos bezahlt, sondern auch freudig au dem ueuen Friedenswerk, an Wegebanten n. s. w. mitgewirkt, jn sogar dabei manchem faulen, interesselosen oder sogar widerstrebenden Ansiedler ein schönes Beispiel gegeben.
Gouverneur Dr. S o l f hat mit richtigem Blick die Bernialtnllg organisiert, mit Hilfe zweier beratender Mrperschasten von je sieben Mitgliedern gesucht, den Wünschen der Ansiedler möglichst gerecht zu werdeu uud auch die Samoaner durch eine Art Selbstverwaltung unter persönlichem Einfluß uud gestiwt dnrch eiueu Eiugebvreueurat (i?3.ipu1e) uuter Mataafas gewichtigem Einfluß als „^.lii sili", d. h. hoher Häuptling, mit dem ihm vom Kaiser verliehenen Fliegenwedel als Abzeichen seiner Lehenswürde, ognnisiert. Diese Organisation ist in richtiger Würdigung der politischen Sippenverhältnisse den frühereu traditionelle» Grenzen möglichst angepaßt. Sie umfaßt demgemäß 2 Bezirke, 4 auf Upolu: Atua (14 Dörfer), Baaofouoti (6), Tnn- mafauga <20) uud Aaun (13), Manono und Apolima (66) und 6 auf Savaii: Faafnlelenngn (7), Snleauln (8), Safotu (5), Vaisiugauo (4), Pa- lnuli (8) und Satnpaitea (10). Jedem Bezirk steht ein „laiwi iw" vor) ihm unterstehen mehrere „I^llwÄno" (Konsul). Au der Spitze jedes Dorfes steht ein „?v.1s irv.rr" (Dorfschulze), dem als Pvlizeivrgane „I^eolSos" beigegeben find. Diese Organisation hat sich bisher bewährt. Sie entspricht zwar scheinbar nnd, wie gesagt möglichst, den Gewohnheiten der Samoaner, aber sie bedeutet in ihrer Dnrchsührnng und Praxis einen vernichtenden Eingriff in die Traditionen und sozialen Institutionen derselben, so daß dadurch notwendig die besonders von den englischen Missionaren mit allen Mitteln seit sieben Jahrzehnten ziemlich erfolglos erstrebte Umwälzung der alten Gewohnheiten und heilige« Überlieferungen wahrscheiulich biuueu weuigeu Jahreu erreicht ist, dermaßen, daß auf Deutsch-Smnon nach wenigen Jahren kaum noch echte Samoaner im Siune der festgewurzelten Tradition zu finden sind. Das ist in ethnvgraphifch-anthropologifchem Interesse sehr zu bedauern, denn die Samoaner siud mit ihreu so lange siegreich verteidigten Eigentümlichkeiten ein hochinteressanter Bolkvstamm, wie aus den folgenden Betrachtnngen zn ersehen ist.
II. Die Samoaner
„Mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust und lauter Lieder Klang) eiu srvheo Lied aus heitrer Brust macht froh den Lebensgang. Man geht bergauS, man geht bergeiu, heut grad uud morgeu krumm) durch Sorgeu mird's nicht anders fein) was ki'immr' ich mich darnm." -— So fingt der feuchtfröhliche deutsche Studeut — so lebt der Samoaner. Ohne daß, wie eo in dem schönen Stn- dentenliede weiter heißt, Baechns ihm die Krone trägt oder der Traube Saft ihm heiße Glut kühlt, braust er auf in Lieb' und Lust und würzt die Freude seiu Mahl. Uud wie jubelude, siugeude, trinkende Studenten lebteu die fröhlichen Menschenkinder iu deu Tag hiuein, deuen, ohne auch daß sie der Welt Regenten siud, jeder Tag eiu Festtag, das Leben eine Kette sorglosen heitere»