Wirtschaftliche Verhältnisse Q?^iz^-s>rz^s 545
V. Wirtschaftliche Verhältnisse
Allgemeines
Wie aus dein geschichtlichen Teil über die Entwicklung Neu-Guineas hervorgeht, ivnr die Erschließung des Landes bis zu den siebziger Jahren lveder von irgend einer Nation geplant, nvch in irgend einer Art versucht worden. Mit Ausnahme der erstell Besiedinngen des Bismarckarchipels im Matnpi, ^luvko und etivas später in Ralum hatte kein Europäer an irgend einer anderen Stelle bis etwa 1885 festen Fuß gefaßt. Das ungeheure Gebiet dieser Tüdseekvlonie konnte also bis zu dieser Zeit mit „fast gänzlich unbekannt" bezeichnet werden. Man hat bei der Okkupation des Landes im Vergleich zu andereil Südseegebieten und zu anderen Kolonien uur wenige Prodnkte vorgefunden, deren Sammeln und deren Ausfuhr lohnend gewesen wären. Zu den wenigen gehört in erster Linie die aus der Kokosnuß gewonnene Koprn, welche im Archipel von den Eingeborenen, wenn auch uur iu geringer Menge, eiugehaudelt wurde. Kaiser Wilhelmslaud jedoch war anch in dieser Be- ziehuilg tsri-tl. inooAniw. Kein Händler hatte, soweit bekannt geworden ist, vvr der Inbesitznahme des Landes durch die Neu-Guinea-Eomvagnie je versucht, daraus gerichtete Beziehungen mit den Eingeborene« anzuknüpfen. So war alfo Kaiser Wilhelmsland, als es in deutsche Häude kam, ein wahrhaft jnng- fränliches Land, das wahrscheinlich nur ans dein Grnnde in dieselben geraten ist, weil andere Nationen vor den Schwierigkeiten seiner Erschließung und Kultivierung zurückschreckteii. Die Neu-Gninea-Eompagnie darf das Verdienst siir fich iu Anspruch nehmen, zu rechter Zeit zugegriffen und ungeachtet großer Schivierigkeiten mit zäher Allsdauer an dem Besitz des Landes festgehalten zu haben, bis die Zeit für die Aufrichtung deutscher Macht iu der Südsee gekommen war.
Vou Ansang an waren ganz außerordentliche Schivierigkeiten bei den Kulturarbeiten zu bekämpfen. Zwar haben praktische Versuche, die im Lause der Jahre gemacht worden sind, die Annahme bestätigt, daß der Boden sowohl auf dem Festland wie im Archipel von überaus großer Fruchtbarkeit ist, daß das Land großeil Reichtum au fließendem Wasser und leichte Zugäuglichkeit von der See aus zeigt, letzteres weil die vieleiiigeschnittene Küste anch vortreffliche Häfen besitzt, daß die geographische Lage, im Hinblick auf die neuerdings eingeschlagene Weltpvlitik, die mit dem Entstehen eines nenen, voraussichtlich dem Snezkanal all Bedeutung nicht nachstehenden Tchiffahrts- und Handelsweges lPanamakanaN zn rechnen habeil wird, und uachdem gute Schiff- sahrtsverbindnngen geschaffen worden sind, neuerdings eine glückliche geworden ist) hierzu treten noch die Gewißheit einer als Folge sprachlicher Zersplitternng anzusehenden relativ großen Sicherheit gegell innere Feinde nnd die anscheinend günstigen Aussichten auf die AuSbeutuug mm im Boden ruhenden Schätzen. Diesen günstigen Momenten standen nnd stehen teilweise noch entgegen:
Die Unwegsamkeit des fast durchweg mit Urwald bestandenen Landes, der Mangel im Lande all allem, was weiße Ansiedler zur Niederlassung brauchen, die Lebeil und Gesnndheit bedrohenden Eiuwirkungen des Klimas, die insbesondere bei der Bearbeitnng von Neuland in die Erscheinung traten, die Indolenz der noch jeder Kultur baren Eingeborenen, die frühere Welteutlegeuheit des Gebietes, dem eine zulängliche Schiffsverbindung zu der Kultur und deren
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