270 Deutsch-Südwestafrika
Satiren im Eimern des tropischen Afrika ihrer Lösnug harrten, ivaren ja selbst dem Entdecker in, Siidwesten des Weltteils nicht gestellt gewesen. Um so ivichtiger und ivesentlicher nicht nnr snr die Wissenschaft, sondern mich snr die praktische Kolonisation ist hier die genane Untersuchung der nati'irlichen Lebens- bedingnngen, von denen Pslanzen nnd Tiere und damit in letzter Linie mich der Mensch »ud seine Wirtschaftsweise abhängen. Eine Fnlle wichtiger Tntsachen ist bereits bekannt, mehr aber ist noch zu studieren, so dast man die Periode der Erforschung nnferer Kolonie als im höheren Sinne jeNt erst beginnend bezeichnen darf. Die Behandlung der einzelnen Landschaften wird Gelegenheit geben, ans einzelne hierher gehörige fragen kurz hinzuweisen.
I. Das Küstenland
Der Anblick, den die .Mste von Sndwestafrika dem bietet, der sich ihr von der See ans nähert, ist ein höchst eigenartiger. Wer hier eine tropische Pflanzenwelt, ja wer mich nur eine tropische Wärnie zn finden erwartet, nn'irde bitter enttäuscht werden. Öde und eintönig dehnt sich der gelbe Strand, der jenseits der weiften Brandnngslinie sichtbar wird, Km weit von der
Mnndnng des Oranjeflnsses bis zum Knnene, nnr au wenig Stellen durch eine hasenartig geschlitzte Wasserfläche unterbrochen. Der Eindruck des Unzugänglichen, den fchvn die änsteren Linien der Knstenentivicklung i» uns erzeugen, wird indessen noch erheblich durch die furchtbare Pflauzeuleere verstärkt, die wir ähnlich nnr in anderen Wüsteulaudschafteu der Erde finden. Mit flacheren Strecken, ja mit felsigen Bilduugeu wechseln endlich aus weite Eutferuuugeu Düueuwälle, die häufig geuug wie ganze Sandgebirge den Weg in das Innere zn versperren scheinen. Und obwohl wir uus hier, zwischen dem 17. und dem 29. Parallelgrade, in einer Breite befinden, die derjenigen der seuchtheisteu Landschaften zwischen dem Sululaude uud der Sambesi- miindnng auf der Ostfeite des Kontinents entspricht, herrscht hier eine Tem- veratnr, die selbst iu dem Mittagstuudeu höchst selten einmal eine dem Enrvpäer lästige Höhe erreicht nnd die gegen Mvrgen nnd Abend sich so weit erniedrigt, dost man sie daun geradezu mit der bei uns an einein nastkalten Herbsttage herrschenden Wärme vergleichen kann, ja, dast man bisweilen nin diefe Tageszeit im Winter ein ^ener im Ofen als große Annehmlichkeit empfindet. Das Jahresmittel der Wärme an der .^liste kommt zwar demjenigen von Mittel- itnlien ungefähr gleich, indessen ist die Dnrchsclmittswärme des „Heistesten" Monats kaum gröster als in Tndwestdentfchland, die des „kältesten" aber etwa mit der des Mai in unserer Heimat zn vergleichen. Anstergewöhnliche Wärmegrade gelangen ausnahmsweise an verschiedenen Punkten der .^iliste zur Beobachtung) sie sind aber lediglich als ^-olgeerscheinnng eines^ söhnartigen Windes anzusehen, der bisweilen vom Innern nach dem Meere herabweht.
Auf die auffallenden Nebel dieses Landstreisens ist von allen Beobachtern ausmerksam gemacht morden. TrotV der snrchtbaren Negenarmnt, die man fast als Regenlvsigkeit bezeichnen könnte, infofern keineswegs in jedem Jahre ein deutlich mestbarer Niederschlag zn stände kommt, ist besonders in den Morgen- und Abendstunden die Bildung dichter Nebel eine so hänsige Erscheinung nnd zwar hauptsächlich im Winter, nw die Sonne nicht selten den ganzen Tag nicht zum Barschem kommt, dast man sie als eine Charakter-