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Das überseeische Deutschland : die deutschen Kolonien in Wort und Bild / nach dem neuesten Stand der Kenntnis bearb. von Hutter ...
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^an,e und Grenzen iz^-^Q^^iZ-^Q-^-SQ^S 13

seiner (^rnndsteinlegnng geslvssen, zum erstenmal seitdem hat ivieder ein dem- sches (^ieschiitz, eine deutsche Biichse gesprochen.

Das nächste ^ahr bereits brachte schärsere Abgrenzung des erworbenen Schutzgebietes ail seiner Westseite gegeu englische, au seiner Südseite gegen französische Besitzuugeu, nnd schuf ihm einen zusammenhängenden Küstenstreifen. Die Engländer verzichteten mif Viktoria und erhielteir dafür eiu vou Nachtigal auf feiner Rückreise an der )!igermündnng erivorbeues Gebiet. Am 7. Mai 1885 waren die diesbezüglichen Verhandlungen mit England, am 24. Dezember gleichen IahreS jene mit Frankreich der Hauptsache uach zum Abschluß gelangt. Sie bezogen sich in erster Linie swie eben bemerkt) auf die Abgrenzung an der Küste, fowie im Westen und Süden: dort vom Rio del Rey bis Aola am Benuö, hier vorerst von der Campvmüuduug auf dem 2. nördlichen Breiten­grad bis zum 1.'). östlichem Läugeugrad reicheud. Ihr weiterer Zug, sowie die Nord- und Ostseite blieb noch so ziemlich offen) nur im allgemeinen war im Nordivesteu eine Gerade von ?)ola bis zum Tsadsee, im Norden dieser selbst, im Osteu der 15. Längengrad als ungefähre Abschliestuug derdeutschen Juteresseusvhäre", wie man das damals nannte, angenommeu, ohne der Forschung und Erwerbung damit Greuzeu zu setzen? dem Wagemut uud diplomatischen Geschick war freie Bahn, weiter Spielraum gelassen. Erst 1893 bezw. 1891 entstand die festere Gestalt, unter der nur Kamerun im Ab­schnitt II keuueu lerueu werden.

Das Zustandekommen dieser Linien, überhaupt der weitere Ausbau des Schutzgebietes häugt eng mit der Geschichte feiner Erforschung und Er­schließung zusammen) die inuerpolitische uud wirtschaftliche Entwicklung foll in einem anderen Kapitel «dem letzten Abschnitt) behandelt werden.

II. Lage und Grenzen

lim die Bai von Biasra, im innersten Winkel des Guineagolfes, legt sich unfere westafrikanische Kolonie Kamerun mit einem 320 ^m, langen Küsten- sanme. Im Westen vou englischem, im Süden von spanischem und französi- fchem, im Osteu uud Nvrdeu vou französischem Kolonialbesitz umgeben, ver­breitert sich Kamerun fächerförmig ins Innere und dringt mit einer keilartigen Spitze bis zu dem ausgedehnten Biuueumeere des Sudan, dem Tfadsee vor. In das Meridiannetz eingegliedert, liegt die Kolonie auf der nördlichen Halb­kugel zwischen etwa 8 ° 30^ und 15° östlicher Länge und 2 "2^ und 13° nörd­licher Breite, ist alfv iu ihrer gauzen Ausdehnung ein tropisches Land.

Der Flächenranm deS Schutzgebietes beträgt rund 193 000 cilcm, steht also um 17<>00(^5iri hinter dem Areal des Mutterlandes zurück nnd nimmt mit dieser Ausdehnung deu dritten Grösteiiplatz nnter den deutschen Kolonien eiu. Die eingeborene Bevölkerung wird ans rnnd 3,5 Millionen geschätzt. (Derartige Zahlenangaben in so unvollkommen erschlossenen Ländern haben übrigeus naturgemäß nur deu Wert eiuer uugefähreu Durchschnittszahl. Im gegebeuen Fall besagt also die Ziffer 3,5 Millionen eigentlich nicht viel mehr als: aus deu Verhältnissen der in dieser Hinsicht genauer bekannten Landstriche läßt sich mit Wahrscheinlichkeit folgern, daß die Gesamtbevölkernngsstärke mehr als 1 Million Menschen beträgt, eine solche von 50 Millionen nicht übersteigen dürste.»