I. Erwerbung
/^IT'us nnscheinbaren, lvenig versprechenden Anfängen ist unser Kolonialreich T^MU) hervorgegangen. Das Geburtsjahr der deutschen Kvlvuialpolitik ist ^^!V das Jahr 1884. Der erste Anstoß ging von Südlvestnsrika aus) auf 6^1^ das Hinterland von Angra Peqnenn bezog sich in erster Linie jene „Erklärung" des Fürsten Bismnrck, deren in den einleitenden Worten zu diesem Sammelwerk über unsere überseeischen Besitzungen Erwähnung getan ist.
^)ie Erwerbung Kameruns anlangend, ist es zum besseren Verständnis der Entwicklung der Ereignisse notwendig, etwas weiter auszuholen.
Nachdem iu der ersteu Hälfte des vorigen Iahrhuuderts die Hnndels- beziehuugeu englischer Kaufleute an der Kameruner Küste lebhafter uud infolge eines am 7. Mai 1841 mit den Häuptlingen des Küstenstammes der Dnala abgeschlossenen Vertrages, demnach diese sich verpflichteten, gegen ein gewisses Entgelt keinen Sklavenhandel mehr zn treiben, anch friedlicher sich gestalteten, niard zur Verminderung uud Schlichtung gegenseitiger, nicht selten vorkommender Streitigkeiten verschiedenster Art in einem neueu Vertrag vom 14. Januar 1856 ein Schiedsgericht eingesetzt, der oonrt sc^uitv, aus dein naturgemäß eine Art von Schutzherrschast sich herausbildete.
Ader auch das deutsche Haudelshaus C. Woermann in Hamburg hatte ilin die Mitte des 19. Iahrhuuderts kansmännische Unternehmungen in West- asrika begonnen) uuter auderu auch iu Batanga an der Kamerunküste eine Faktorei angelegt. Der deutsche Handel gewann an Ausdehnung, so daß Woermann 1868 am Kmnernnflnß selbst, wo bisher nach Verdrängung holländischer nnd dänischer Niederlassungen — die Portugiesen, die ersten Entdecker, waren schon längst von hier verschwnnden jvergl. S. 16 u. f.) — der Haudel fast ausschließlich in englischen Händen lag, eine ständige Faktorei errichtete, ^hm folgten 1875 Jantzen und Thormählen mit gleichem Nuter- nehlnllngen. Der deutsche Einfluß wnchs rasch, nnd schon 1883 war die größere Hälfte des westafrikanischen Handels in deutschen Händen. Außer au deu erwähuteu Plätzen besaßen die beiden geuauuteu unternehmenden Ätänner, in denen der Geist der alten Hansa lebte, allein an der nachmaligen deutschen Kamernnküste Niederlassungen iu Viktoria, Bimbia, Malimba luid am Emupo. Eiue eigeue uud eine englische Dampserlinie mit regelmäßigeil Fahrten zwischen Hamburg uud Weslusrika ivar eingerichtet. 1874 bereits hatte Woermann in einer Eingabe an das Auswärtige Amt gebeten, es mochte die Ernennung eiues deutscheu Konsuls für deu Küsteustrich von der Niger- mündnng bis Vata baldtuulichst iu Ausführung gebracht werden. Das geschah unn allerdings nicht, aber die Eingabe hatte wenigstens den Erfolg, daß man