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Im Goldland des Altertums : Forschungen zwischen Zambesi und Sabi / von Carl Peters. Mit ... Orig.-Ill. von Tennyson Cole
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7. Südafrika, das Ziel der Ophirfahrten.

ihren Oceandhows aufwärts bis zur Lupata-Enge. Der Platz am linken Ufer des Zambesi vor der Lupata-Enge heisst bis auf den heutigen Tag Bandera oder Bander, ein rein arabi­scher Name. Dort ist jetzt eine portugiesische Telegraphen­station. Den Sabi hat man niemals mit solchen Booten be­fahren können. Hier werden die Verkehrsstrassen voraussicht­lich stets am Fluss entlang gegangen sein. Ein Strom wie der Zambesi musste demnach eine seefahrende Nation viel früher als ein kleiner Fluss, einladen, das Vordringen land­einwärts zu wagen. Ich halte es demnach für wahrschein­lich, dass die unternehmenden Südaraber sich ursprünglich dieser Hochstrasse zu den Minengebieten bedienten, und glaube, dass die Ruinen von Fura und Inyanga der ersten Epoche altsemitischer Einwanderung entstammen.

Wenn die Inyanga-Brunnen Sklavenzwinger sind, wurden sie jedenfalls von Semiten und nicht von Negern gebaut. Die Haussklaverei bei den Negern hat niemals Härten ange­nommen, dass solche Vcrsichtsmassregeln nötig wurden. Bei den Semiten aber waren sie allgemein, wie die Geschichte der phönizischen, besonders der karthagischen Ansiedlungen in Nordafrika und Sicilien uns belehrt.

Als bemerkenswerteste Eigentümlichkeit der Inyanga- Ruinen treten dem Reisenden die gewaltigen Terrassenbauten an den Abhängen und Bergen entgegen, welche ich oben beschrieben habe. Mr. Edwards (s. Hall und Neal p. 356) be­rechnet, dass diese Terrassen einen Raum von 150 engl. Qua­dratmeilen, oder 27,878,400 Quadratfuss bedecken, und dass 261,773,750 tons Gestein nötig waren, um sie auszuführen.

Auch in diesen Terrassen stehen wir einem dunklen Rät­sel gegenüber. Dr. Schlichter, der Inyanga freilich nur flüch­tig gesehen hat, möchte einen wesentlichen Unterschied zwi­schen diesen Berg- und den Thalruinen feststellen. Die Ter­rassen hält er nicht für antik. Ich möchte demgegenüber fra­gen, wo sonst in Afrika Neger ein solches Riesenmass von Arbeit geleistet haben. Ich habe in keinem Negergebiet von derartiger Terrassierung der Höhen etwas gesehen oder ge­hört. Solche Leistung erinnert mehr an die Erbauer der Py­ramiden, als an die Gewohnheiten der Negerseele.