Arabische Ophir-Theorie.
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Verlassen wir also diesen gefährlichen Grund, in welchem auch der vorsichtigste und scharfsinnigste Forscher Gefahr läuft, zu versinken, und begeben wir uns auf den festeren
Boden archäologischer Thatsachen zurück.
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Während wir uns im allgemeinen am Indischen Ocean Arabische orientiert haben, sind die Flotten Hiram's und Salomo's das Rote Meer hinuntergefahren. Dass Hiram's Leute die Führung der Expedition hatten, geht aus der Überlieferung klar hervor. Ich finde einen weiteren Beleg hierfür auch in I Könige IX. 14—15, wo es heisst:
„Und Hiram hatte dem Könige gesandt hundert und zwanzig Kikkar Gold. Und dasselbe ist die Summe der Zinsen, die der König Salomo aufhob, zu bauen des Herrn Haus, und Millo, und die Mauern Jerusalem's, und Hazor, und Megiddo und Gaser."
Solchen Betrag an Gold konnte der König von Sidon also abgeben, lange bevor er an die Ophirfahrt mit Salomo ging. Augenscheinlich also hatten die Sidonier die Goldquellen schon vorher gekannt, vielleicht waren sie es auch, welche David's Minenleute hinaus geführt hatten. „Ruhig lebten sie", meldet bereits das Buch der Richter, „nach der Weise der Sidonier, sicher und wohlgemut im Besitz von Reichtum." (XVIII, 7.) Der Reichtum dieser alten phönizischen Handelsstadt war traditionell und sprichwörtlich.
Wohin führten diese Piloten nun die verbündete Flotte?
Dass .die Expedition an der Südküste von Arabien ihr Ende gefunden habe, erschien uns im allgemeinen unglaubwürdig, weil die Handelswege von Jerusalem zum Lande der Königin von Saba über Land führten. Wenn die Fürstin Bilkis selbst, die Herrin eines überseeischen Kolonialgebietes, ihre Geschenke auf Kameelen durch die Wüste zur Residenz Salomo's brachte, ist» kaum anzunehmen, dass dieser, ein rein kontinentaler Fürst, seinerseits den Seeweg zu ebendemselben Lande genommen hat. Von Ezeon-Geber musste er die Waren durch eine Kameel-Fxpedition nach Jerusalem befördern lassen. Ist es nicht mehr als wahrscheinlich, dass, wenn es sich
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