Semitische Völkerwanderung.
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Die letzteren drangen augenscheinlich am weitesten gegen Süden vor. Ihr Mittelpunkt scheint der Sabifluss und sein Hinterland gewesen zu sein, wo viele Namensanklänge noch heute an die Sabäer-Epoche erinnern. (Rusapi, die vielen Mas- sapas, Umsapa etc.)
Zum Kulturgebiete der Urpuner, der Hirnyariten und Sa- bäer gehörte auch Mashonaland mit seinen uralten Goldbergwerken und Ruinen. Der Nachweis hierfür wird von Glaser durch die Analogie der Mashonaland-Ruinen mit denen von Sokotra geführt. Es lässt sich nämlich schlechtweg darthun, dass die Bewohner von Sokotra den Urpunern ethnographisch heute noch sehr nahe stehen. In der That sind sie mit dem Mahritischen Stamm die einzigen reinen Überbleibsel dieser ältesten semitischen Völkerwelle. Nun sind die Ruinen von Sokotra in Anlage und Charakter denen von Mashonaland gleichartig. Es ist demnach zu folgern, dass auch die Mashonaland-Ruinen punische Stämme zu ihren Urhebern haben.
Die punischen Elemente in Afrika sind zwar im Wesent- Baima. liehen von den einheimischen Stämmen aufgesogen. Wahrscheinlich hat an der Küste niemals eine echte semitische An- siedlung, sondern im Wesentlichen immer nur eine Beherrschung durch die Südaraber stattgefunden. Ich glaube aber, dass man die punische Einwanderung nach Ostafrika bis über den Viktoriasee und zum Tanganjika, ja bis zum oberen Kongo hin nachweisen kann. Hier finden wir den herrschenden Volksstamm der Baima 1 ) oder Wawitu (Ba- und Wa sind Plural- Präfixe), welche dereinst ein grosses Reich am oberen Nil begründet hatten, und deren Stamm die herrschenden Familien von Uganda und im Westen des Nyansa bis zum Nordosten des Tanganjika noch heute angehören. 2 ) Sie kamen dorthin mit dem geradrückigen Sanga-Rind, und man kann heute noch die Zone ihres Vordringens aus der Verbreitung des Sangarindes im Gegensatz zum Zebu-Rind bestimmen. Sie sind von heller Gesichtsfarbe und erinnern in ihrem Ty-
x ) Ba-ima oder Ba-im ist vielleicht eine Korruption aus Mä'in. '-) S. hierzu mein Buch: Das deutsch-ostafrikanische Schutzgebiet p. 184 ff.
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