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6. Am Sabi.
da mich dringende Geschäfte unmittelbar nach Maniealand zurückriefen.
Das Sabithal, in welchem wir lagerten, ist sehr geeignet zu Plantagenunternehmungen aller Art. Der Boden scheint ausserordentlich fruchtbar zu sein. Ich habe selten üppigere Hirse- und Maisfelder gesehen. Baumwolle fanden wir wiederholt in wildem Zustand, und der Boden bringt vorzüglichen Kaffee. Hier könnten Europäer sicherlich alle Kulturen der Tropenwelt betreiben, da die verschiedenen Höhenlagen von 2000 Fuss aufwärts übereinander gegeben sind. Hier wächst Zucker, Kaffee, Thee, Kakao und Vanille. Nur müsste sich der Farmer an die Wasserläufe halten. Das Klima wird im Sommer zwar heiss sein, ist jedoch stets gemässigt. Der Sabi ist mit einigen Unterbrechungen schiffbar bis zur Küste (etwa 175 Meilen). Hier befinden wir uns auf der Hochstrasse, auf welcher die Sabäer auf die Plateaus von Mashonaland gezogen sind, von welcher Epoche die Ruinenkette am Sabi und Lundi bis nach Simbabwe in Viktoria noch heute Kunde gibt.
Dieses ganze Gebiet trägt den Namen Ghaza- land, ebenfalls eine Erinnerung an die semitische Epoche der südafrikanischen Geschichte. Die Eingeborenen nannten sich Shangans und haben fast den Typus von Hindus. Sie sind anerkannt gute Minenarbeiter; gehören sie doch selbst zu einem uralten Minenvolk. Auch sind sie anstellig und gewandt, sind aber in ihrem eigenen Lande schwer zum Arbeiten zu bewegen.
Als sie unter dem Schreckensregiment von Gungunjana standen, da war es anders. Der Neger hat den Zwang nötig, um etwas zu leisten. Gungunjana war ein geborener Herrscher über Schwarze, welche er nicht mit Ruthen oder Skorpionen, sondern mit Feuer und Schwert züchtigte. Dafür bewiesen ihm seine Landeskinder eine geradezu abgött'sche Verehrung. Was mehr ist, sie entwickelten sich zu dem besten Arbeitermaterial, welches es in Südafrika gibt. Dann wurde Gungunjana gefangen und nach Lissabon geschafft. Da war es mit der Negerherrlichkeit zu Ende. Heute, unter europäischer Herrschaft, wo jeder Schwarze gleich ist vor dem