Im Land des Todes.
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werden muss. Hier müssen vor Zeiten Hunderttausende von Menschen beisammen gewohnt haben. Am südlichen Rand dieser geschlossenen Ruinenstätte liess ich gegen 12 Uhr Frühstückspause machen und marschierte dann weiter gegen Süden in den Nachmittag hinein. Das Land wurde jetzt ausserordentlich wasserreich. Bach neben Bach fliesst von der östlichen Umrandung quer durch das Thal der Vereinigung mit dem Ruenje zu. Im Osten zieht sich hier ein Schiefermassiv entlang, der Westen verbleibt Granit mit phantastischen Formen. Die künstlichen Steinwälle hörten zwar auch hier nicht auf, aber es wurden ihrer entschieden weniger, wie Dörfer, welche unweit einer Stadt liegen. Der Geist konnte sich wieder freier der Betrachtung der Landschaft zuwenden, welche vornehmlich an der Westseite fesselnd war, wo der Granit sein altes Spiel mit der Phantasie trieb.
Dort schaute gross und deutlich aus dem Fels empor- Land
ö 1 des Todes.
steigend die Figur eines Ritters mit Mantel und Degen auf uns herab, die Hand am Knauf, über das weite Thal zu seinen Füssen blickend. Als wir näher kamen, bemerkten wir, dass das steinerne Haupt das eines Schädels war. Es war der Tod selbst, welcher über diesem seinem eig'nen Gebiet Wache zu halten schien. Die Ähnlichkeit war so täuschend, dass Herr Gramann und ich einen Augenblick still standen, unsicher, ob hier ein Spiel der Natur oder ein Werk der Kunst vor uns lag. Um ihn herum glotzten die üblichen Fratzen und Formen von phantastischen Zinnen und Felsburgen herab.
Gegen drei Uhr lagerten wir an einem rauschenden Fluss, welcher von der östlichen Umrandung herabkam, die hier schroff mit zerklüfteten Schieferplatten in's Thal abfällt. An einer Stelle bemerkten wir eine rötliche Einlagerung, die uns von unten aus wie Quarz auszusehen schien. Ich schickte einen Träger hinauf, um uns Proben herabzubringen. Aber es war Schiefer, welcher hier wie am Msusiberg stark eisenhaltig war. Gegen Abend wurde es so kalt, dass ich schon vor 6 Uhr zu Bett ging. Unser Lager war 1058 m hoch.
Unsere Marschrichtung war in Inyanga soweit im Wesentlichen S. S. O. bis Süd gewesen. Vom nächsten Morgen hielten wir genau Südrichtung inne. Wir hatten den ganzen Mor-