308 Siebentes Kap.: Einfluß des deutschen Elements auf Gesellschaft u. Kultur.
amerikanischen Dramatikern und erkennt ihnen ein volles Anrecht auf diesen Namen zu. Das günstigste Vorzeichen für eine bessere Zukunft liegt jedenfalls in der Beliebtheit, deren sich jedes gute Stück sofort nach seinem ersten Erscheinen auf unsern Bühnen erfreut. Aus diesem Interesse des amerikanischen Volkes an besseren Stücken 1 geht hervor, daß der allgemeine Geschmack kein hoffnungslos schlechter, sondern vielmehr durchaus der Veredlung fähig ist. Die klassischen Dramen sind mit geringeren Kosten zur Darstellung zu bringen als die prunkhaften Schaustücke, die jetzt vorherrschen, und der Reingewinn ist entsprechend größer. Schon aus rein geschäftlichen Gründen fangen die Impresarios der Theater an, eifrigst auf gute Stücke zu fahnden und begabten jungen Dramatikern den Weg zu ebnen. Unter denen, die zu schönen Hoffnungen berechtigen, ist vor allem Charles Klein, der Verfasser von „The Music Master" und „The Lion and the Mouse", zu nennen. Klein 2 ist in London geboren, nach der Schreibweise seines Namens aber unbedingt deutscher Abstammung. Sowohl an inhaltlichem Wert der Handlung wie an Schärfe der Charakterzeichnung überragen seine Stücke die meisten seiner sämtlichen amerikanischen Zeitgenossen. Sie haben in New-York wie an anderen Orten eine glänzende Aufnahme gefunden, woraus hervorgeht, daß eine gute dramatische Leistung durchaus auf Erfolg zählen darf. Ohne Frage steht dem amerikanischen Theater eine bessere Zukunft bevor, auf die sowohl die besseren Berufsschauspieler und die Liebhaberbühnen wie auch die schriftstellerischen Talente hinarbeiten. So jedoch, wie die Dinge jetzt noch liegen, ist nicht zu leugnen, daß die Entwicklung der dramatischen Kunst hinter der der Musik und der schönen Künste weit zurückgeblieben ist.
B. Literatur.
Die nach den Vereinigten Staaten gekommenen Deutschen haben eine eigene Literatur in deutscher Sprache hervorgebracht, die aus Memoiren, Gedichten, Romanen, Reisebeschreibungen und wissenschaftlichen Werken besteht. Sie gibt einen Einblick in Freud und Leid der
1 Beispiele dafür bieten Kennedys „Servant of the House", Clyde Fitchs „The Climbers" und Charles Kleins Stücke.
2 Der Vater Kleins war in Russisch-Polen geboren und ließ sich in London naturalisieren. Herr Klein selbst schrieb dem Verfasser als Antwort auf dessen Anfrage: „Persönlich bin ich der Ansicht, daß wir durch meinen Großvater aus Deutschland stammen."