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Im australischen Busch und an den Küsten des Korallenmeeres. Reiseerlebnisse und Beobachtungen eines Naturforschers in Australien, Neu-Guinea und den Molukken / Von Richard Semon. Mit 85 Abb. und 4 Ktn
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Sechstes Kapitel. Die Flut.

Inzwischen fiel der Regen jeden Tag und meistens auch die Nacht hindurch; die Flüsse begannen in einem Maße zu steigen, das schon recht ungemütlich wurde. Während man in der trockenen Zeit den Fluß fast allerorts zu Fuß oder zu Pferd durchwaten konnte und nur, in den größeren Wasserlöchern sich bedeutendere Tiefen von 2 bis 4 Meter vorfanden, war jetzt das Wasser um mehrere Meter gestiegen und blieb noch fortdauernd im Ansteigen. Meine Leute, die mit den Verhältnissen vertraut waren, machten bedenk­liche Gesichter und sagten, wenn der Regen nicht bald aufhöre, würden wir eine richtige Flut haben. Die Flüsse würden mit furcht­barer Gewalt herunterkommen, und jegliche Wasservegetation würde rein ausgefegt werden. Diese Vegetation brauchte ich aber zum Auffinden des Ceratoduslaiches. Ich hoffte immer, die Sache würde nicht so schlimm werden, und in der That schien sich das Wetter aufklären zu wollen. Aber obwohl der Regen nachließ, nahm das Steigen der Flüsse zu. Bis zum 4. Dezember war immer nur ein stärkeres Ansteigen des Burnett bemerklich gewesen, während Au- burn und Boyne nicht wesentlich gewachsen waren. Auf einmal wurde dies anders. Erst jetzt kamen die starken Regenmengen, die in dem Quellgebiet beider gefallen waren, zu uns herunter, und zunächst war mit einem Schlage das ganze breite Flußbett, das sonst zum größten Teil aus hellschimmerndem Sand bestand, in dem Dickichte von tea-trees und Casuarinen emporwuchsen, mit Wasser erfüllt. Die Entfernung von der Thalsohle bis zur Höhe der Flußbank betrug an der Stelle unseres Camps ungefähr 20 Meter. Wo wir sonst das Wasser tief unter uns hatten und unsere Eimer keuchend heraufschleppen mußten, kam es uns nun in er­schreckender Weise näher. Fast jeden Tag konnte ich ein Anstei­gen um 1 bis 2 Meter konstatieren. Am wildesten strömte der