Druckschrift 
Ost- und Süd-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
208
Einzelbild herunterladen
 

Madagaskar.

Das durch eine 3000 m tiefe Rinne vom afrikanischen Festland getrennte Madagascar wird von seinen Bewohnern Hiera B6, d. h. dasGroße Land", von den Arabern Komr oder Mondinsel, von den Eingeborenen Ostafrikas Bukin genannt, und in der That ist es mit seinen 591563 <ikm die drittgrößte Insel der Erde überhaupt und übertrifft beispielsweise die Ausdehnung des Deutschen Reiches um 10°/«. Betreffs seiner Bodenverhältnisse, seiner Flora und Fauna nimmt Madagascar eine so verschiedene Stellung von dem nahen Afrika ein, daß man es für den letzten Rest eines alten Kontinents von ehemals bedeutender Ausdehnung hält, wofür hauptsächlich auch die paläontologischen Funde sprechen. Die Länge der Insel beträgt 1580 Km, ihre durchschnittliche Breite 430 Km und der Umfang der nur wenig gegliederten Küste 5000 Km. Mächtige Korallenriffe umsäumen fast die ganze Westküste, an deren nördlichem Teile eine Reihe tief eingeschnittener Fjords liegen. Im allgemeinen ist die Küste im Norden sehr felsig, im Süden flach und sandig.

Das Innere besteht aus mehreren hohen Gneismassiven mit aufgesetzten Bergketten, die sich im Osten in steilen Abfällen, nach Westen zu in sanften Gehängen und weiten Ebenen zum Meere senken. Die Ostküste ist von einer Reihe tief getrennter Gebirgsketten eingefaßt, welche den Aufstieg zum Hoch­land des Innern sehr erschweren. Dort finden wir zwei Hauptplateaus: Im Zentrum der Insel das von Jmerina oder Emyrne mit der Hauptstadt Tananarivo und von Betsileo mit dem Hauptort Fianarantsoa, am Westrand 1200, am Ostrand 1600 m hoch, und der am dichtesten bevölkerte Teil des Landes; daran schließt sich nach Norden zu, durch einen nur 600 m ü. M. hohen Einschnitt getrennt, welcher das Sakalavenland im Westen mit dem­jenigen der Betsimisaraka im Osten verbindet, ein zweites Plateou.Plateau" ist der hier gewöhnlich, aber unrichtig gebrauchte Ausdruck, denn es handelt sich um von Gebirgsketten durchzogene Hochländer. Über die Insel verbreitet finden sich vulkanische Erhebungen, deren höchste der Tsiafadschavona (2622 m) im Zentrum der Insel, das Ambre-Gebirge im äußersten Norden und das hufeisenförmige Jvohitsombi im Süden sind; die vulkanische Thätigkeit macht