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Ost- und Süd-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
110
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Delltsch-WaMll.

Wir haben bereits gesehen, daß der wichtigste Ort nn der jetzt deutschen Küste das im Jahre 975 von den Persern gegründete Kilwa (auch Kiloa oder Quilloa geschrieben) war, welches den Handelsmittelpunkt für den Verkehr von dem goldreichen Sofala nach Norden bildete und dessen Blütezeit in das letzte Viertel des 12. Jahrhunderts fällt. Als Cabral am 26. Juli 1500 als erster Europäer Kilwa erreichte, war dieses noch immer ein wichtiger Handels­platz, den die Portugiesen von 15051512 auch als ihren Hauptstützpunkt an der ganzen Küste benutzten. Während der weiteren Portugiesenzeit hat Kilwa aber keine besondere Rolle mehr gespielt, und nach wechselvollen Kämpfen fiel die Küste an den Sultan Seyid Said von Maskat, der ebenso wie seine Nachfolger im unbestrittenen Besitz derselben blieb. Als der Sklavenraub von den Europäern unterdrückt wurde, ging der Handel von den guten Hafen vielfach nach solchen über, an denen Riffe und Untiefen Schutz vor allzu naher Überwachung seitens der Kriegsschiffe gewährten, und so kam au Stelle von Kilwa Kisiwani mit seinem vorzüglichen Hafen Kilwa Kivindsche auf, und Tanga wurde zu Gunsten vou Wanga und Pangani vernachlässigt. Das Hinterland wurde inzwischen nur zeitweilig und gelegentlich zur Tribut­eintreibung von den Statthaltern durchzogen, eine Oberherrschaft des Sultans von Sansibar erkannten die dortigen Häuptlinge aber nicht an und sie konnten daher 1884 mit den Deutschen Verträge schließen, in denen sie ihr Land ab­traten, als der Epoche der großen zentralafrikanischen Forschungen naturgemäß und unmittelbar die Zeit der kolonialpolitischen Austeilung der neu entdeckten Länder unter die europäischen Mächte folgte.

Am 28. März 1884 war in Berlin durch Graf Behr - Bandelin, Dr. Friedrich Lange und Dr. Karl Peters dieGesellschaft für deutsche Kolonisation" gegründet worden, welche Peters, Graf Joachim Pfeil und Dr. Jühlke nach Ostafrika entsandte, um dort Land für eine deutsche Ackerbau- und Handels-Kolonie zu erwerben. Die Erpedition traf am 4. November 1884 in Sansibar ein und ging, um den Belgiern zuvorzukommen, bereits nach kurzen Vorbereitungen auf das Festland hinüber, wo es ihr gelang, durch Verträge mit den Häuptlingen die Landschaften Useguha, Nguru, Usagara und Ukami zu erwerben. Schon im Februar 1885 finden wir Dr. Peters wieder