Messwien und Crythriia.
Obgleich Abessinien streng genommen nicht in den Rahmen dieses Buches fällt, so ist es doch mit den Küstenländern des roten Meeres und mit dem Somaliland so eng verknüpft, daß eine kurze Betrachtung desselben hier unerläßlich erscheint.
Die Anfänge dieses uralten Reiches sind in Dunkel gehüllt. Die Tradition nennt als Gründer desselben Kusch, einen Sohn Hams, der sich in der ältesten Königsstadt Arum niedergelassen habe und nach seinem Sohne Äthiop soll das Land Äthiopien genannt worden sein. Auch die Königin von Saba wird mit Äthiopien in Verbindung gebracht und ebenso ihr Sohn vom König Salomo, der König Menelik oder David; jedenfalls scheinen die ersten Kolonisten Abessiniens Araber gewesen zu sein, während die ältesten Bewohner wohl der Negerrasse angehörten, welche dnrch die Pharaonen aus dem nubischen Nilthal nach Süden verdrängt wnrden und noch heute als „Agau" den Grundstock der abessinischen Bevölkerung bilden. Im Jahre 730 vor Chr. eroberte der äthiopische König Sabako Ägypten, welches bis zum Jahre 671. im Ganzen von drei abessinischen Herrschern regiert wurde, wahrend andrerseits unter Psametich I. um das Jahr 650 eine Einwanderung von 240 000 Mann der ägyptischen Kriegerkaste in das arumenische Reich erfolgte. Zu dein Einfluß der Semiten und Ägypter gesellte sich im 3. Jahrhundert vor Chr. auch noch derjenige der Griechen, deren Kolonisten sich an der Küste des roten Meeres in Adulis (Zula) ansiedelten und die Kenntnis des Landes nach dem Abendland brachten. Um 330 nach Chr. drang, zunächst durch zwei gefangen genommene junge Christen, von Alexandria her auch das Christentum in das Land ein und bewirkte einen noch engeren Verkehr mit der griechischen Bildung. Die Blüte der dadurch erzeugten Kultur fällt ins 4. bis 7. Jahrhundert und die abessinische christliche Kirche trat in Beziehung zu der koptischen Ägyptens. Die Axumiten der Vorländer Abessiniens und die Himjariten von Südwest-Arabien bildeten damals zusammen ein mächtiges Reich und besuchten auf ihren Handelszügen, ohne dauernde Kolonien zu gründen, auch die südlichen Länder Ostafrikas; aber schließlich wurden die Himjariten des arumenischen Joches müde, riefen zu Anfang des 6. Jahrhunderts die Perser zur Hülfe und diese wurden nach Besiegung des Negus Marsuk bei dem Dorfe Scheich Othman in der Nähe von Aden