Druckschrift 
Neu-Guinea / von Maximilian Krieger. mit Beitr. von A. von Danckelman ...
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

181

wandten des Verstorbenen; es hängt davon ab, ob der überlebende Teil bereits in der Lage ist, ein Schwein zum Besten zu geben oder nicht. Nicht selten wird die Abnahme der Trauerzeichen an ver­schiedenen Witwen bez. Witwern zugleich vorgenommen, damit der Schmaus desto grösser wird. So kommt es, dass die Zeichen der Trauer oft erst nach Jahren abgelegt werden; indes ist es dem oder der Verwitweten unbenommen, sich bereits früher zu verheiraten.

3. Soziale und religiöse Verhältnisse, Geistesleben, Charakter, Sprache, Tanz, Belustigungen.

An ein Weiterleben nach dem Tode glauben wohl alle Papua in Kaiser Wilhelms-Land, allerdings sind ihre Vorstellungen darüber sehr unklar. Die Siar-Leute und andere Eingeborene des Archipels der zufriedenen Menschen versetzen das Jenseits in die Berg- landschaft am Kap Rigny; sie preisen es als ein Land, wo es alles im Überfluss giebt. Die Jabim geben der Seele des Toten Feuer mit auf den Weg. Der Brauch hierbei ist folgender: in der ersten Nacht nach dem Tode des Abgeschiedenen nimmt einer der angesehensten Dorfbewohner ein brennendes Stück Holz, streckt es vor sich aus und ruft:Deine Kinder weinen um dich, komm, hole dir Feuer!" Nach der Vorstellung der Eingeborenen kommt der Geist dann herbei, nimmt das Feuer und eilt damit von dannen, damit gleichzeitig die Richtung andeutend, die man einzuschlagen hat, um nach dem Hause seines Verzauberers zu gelangen. Um den Lichtschein besser verfolgen zu können, fahren die nächsten Verwandten aufs Meer hinaus oder erklettern hohe Bäume. Furcht­sam, wie die Eingeborenen sind, gehen sie des Abends nie ohne Feuerstock aus und wollen daher auch nicht die Seele im Jenseits ohne solchen lassen. Die Kai-Leute verlegen dasGefilde der Seligen" auf eine der Siassi-Inseln südlich von Rook.

So hat jeder Stamm sein anderesLambon", in das die Seele nach dem Tode schwebt, und zwar giebt es, insbesondere nach dem Glauben der Jabim, in jedemLambon" wieder verschiedene Ab­teilungen für die einzelnen Todesarten, so eine besondere für die vom Feinde Erschlagenen, eine andere für die durch Zauberei ums Leben Gekommenen, noch eine andere für Selbstmörder. Als Mittler, dessen Hilfe und Geleit den abgeschiedenen Seelen bei dem Hinüber­gleiten in dasLambon" unentbehrlich ist, wird von den Kai-Leuten