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Das Deutschtum in den Vereinigten Staaten in seiner Bedeutung für die amerikanische Kultur / von Albert B. Faust, Prof. an der Cornell-Univ.
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KAPITEL II.

DEUTSCHER EINFLUSS AUF DIE MATERIELLE ENTWICKLUNG DER VEREINIGTEN STAATEN. II. Auf technischem Gebiet; auf anderen gewerblichen Gebieten.

Ganz besonders stark vertreten sind die Deutschen auf all denjenigen Gebieten industrieller Tätigkeit, für die technische Kenntnisse und Aus­bildung erforderlich sind. Dahin gehört der Brückenbau, die praktische Verwendung elektrischer Kraft, alle Ingenieurarbeit, die chemische In­dustrie, die Herstellung musikalischer und wissenschaftlicher Instru­mente. Einige von diesen Gebieten hat die deutsche Arbeit völlig be­herrscht. Im höheren Baufach, in dem es sich um Riesenaufgaben ge­handelt hat, wie sie dem Ingenieurberuf nie zuvor gestellt worden sind, darf man geradezu von einem Monopol des deutschen Elements reden. Die Ursache liegt klar zutage. Deutschland hatte vorzügliche technische Schulen und schickte tüchtig ausgebildete Männer zu uns übers Meer, lange bevor die Vereinigten Staaten ähnliche Anstalten besaßen. Den aus deutschen Schulen hervorgegangenen Ingenieuren wies man als den tüchtigsten stets die verantwortungsvollsten Aufgaben zu; ohne große Schwierigkeiten schlugen sie die meisten Mitbewerber auf ihrem Ge­biet aus dem Felde, und ihre Überlegenheit blieb während des ganzen 19. Jahrhunderts unbestritten, bis die amerikanischen Schulen selbst Gutes zu leisten anfingen.

Die größten Fortschritte im Brückenbau danken wir zwei Deutschen, Johann A. Röbling, dem Erfinder der modernen Hängebrücke und Karl Schneider, dem Erbauer von Kragträgerbrücken. Johann A. Röbling war 1806 in der preußischen Stadt Mühlhausen geboren und erhielt seine technische Ausbildung auf dem Königlichen Polytechnikum in Berlin. In Amerika trat er zunächst als Verfertiger von Drahtseilen in dem un­weit Pittsburg in Pennsylvanien gelegenen Saxonburg auf. Er dachte an ihre Verwendung beim Kanalbetrieb, doch scheiterte sein Plan an dem Widerstand der Kanalarbeiter, die durch die Neuerung geschädigt zu werden fürchteten. Da kam Röbling der Gedanke, seine Drahtseile beim Brückenbau zu verwenden, und 1844 gelang ihm der erste Ver­such bei einer Brücke über den Allegheny. Darauf baute er die Monon- gahela-Hängebrücke bei Pittsburg, die eine Länge von 1500 Fuß hatte. Sein nächstes großes Werk war die Hängebrücke über den Niagara, eine der Großtaten der Ingenieurkunst, an der er von 1851 bis 1855 arbeitete.