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Das Deutschtum in den Vereinigten Staaten in seiner Bedeutung für die amerikanische Kultur / von Albert B. Faust, Prof. an der Cornell-Univ.
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KAPITEL II.

DER EINFLUSS DER DEUTSCHEN IN DER MATERIELLEN ENTWICKLUNG DES LANDES, i. Ihre Bedeutung für den Ackerbau und die Lebensmittelindustrie.

Um die Eigenschaften des deutschen Ackerbauers in den Vereinigten Staaten kennen zu lernen, gilt es, sich zu den pennsylvanischen Deut­schen des 18. Jahrhunderts zurückzuversetzen. Zeigt doch der Typ dieses Ansiedlers, einerlei ob er sich in Pennsylvanien oder in den nörd­lich und südlich davon liegenden Kolonien niedergelassen hat, immer wieder dieselbe unübertroffene, erfolgsichernde Tüchtigkeit im Acker­bau. Wir besitzen keine bessere Beschreibung des deutsch-pennsylva- nischen Ackerbauers als die des im 18. Jahrhundert lebenden Dr. Ben­jamin Rush, der in 16 Leitsätzen die Merkmale hervorhob, durch die sich der deutsche Landwirt von dem eingeborenen unterscheidet. In­dem wir Dr. Rushs Beobachtungen mit Feststellungen aus einer spä­teren Zeit verbinden, können wir das Bezeichnende des deutsch-ameri­kanischen Landwirtschaftsbetriebs im 18. und 19. Jahrhundert in fol­gende Sätze zusammenfassen:

1. Sein erster Blick galt gutem Boden und er gab bereits urbar ge­machtem den Vorzug. Er wählte vorzugsweise mit reichen Waldungen bestandenes Land und machte durch bare Abzahlung den eingeborenen Ansiedlern häufig das beste Ackerland streitig.

2. Gründlichkeit und Ausdauer in der Arbeit waren charakteristisch für den deutschen Landwirt. Baumstümpfe und Steine entfernte er aufs sorgfältigste, und jeden Morgen Landes nutzte er bis zu den Gren­zen seiner Ertragsfähigkeit aus. Dabei hielt er auf Wechselwirtschaft in der Bestellung, die das Land nicht aussaugt, sondern mit der Zukunft und mit dauerndem Besitz rechnet.

3. Der eingeborene amerikanische Landwirt war verschwenderisch, der Deutsche ausnahmslos sparsam. Sparsamkeit war ihm Lebens­regel. Selbst mit dem Holz, obschon es ihm so reichlich zuzuwachsen schien, ging er sorgfältig um, bediente sich eines Ofens an Stelle der riesigen offenen Herde, und baute Zäune, bei denen kein Holz ver­schwendet wurde. Seine Lebensweise war mäßig, seine Kost einfach, sein Hausgerät schlicht, aber dauerhaft, seine Kleidung von den besten