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Im Lande meiner Modelle / von Wilhelm Kuhnert
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llber Bombay, jenen wundersamen Platz Vorderindiens, bringt mich der nichts weniger als saubere französische Dampfer nach Rolombo, der Metropole Ceylons.

Noch vor Tagesgrauen machen wir auf der Reede fest. Raum ist der KnKer in die Tiefe gerasselt, ertönt auch schon der Ruf: Zur Untersuchung! Das ist für die meisten Fahrgäste ein recht unerwünschter Weckruf, eine unsanfte Begrüßung auf der Märcheninsel.

Diese gräßlichen Hafenärzte es sind auch Ärztinnen sie Können einem das Reisen manchmal recht verleiden! Im tiefsten Morgenanzug rennt man hinaus zum Medikus, in den Speiseraum des Schiffes zur Untersuchung. Mit Rennermiene wird der Puls gefühlt, dann die Personalien aufgenommen, und schließlich erhält man einen Zettel. Kuf diesem steht, ich habe mich an Land in einigen Tagen nochmals vorzustellen, weil ich aus Indien Komme.

pestverdächtig! Raum bin ich wieder in meiner Rabine, da erscheint ein anderes aus­ländisches Faktotum an der Tür und eskamotiert mir meine gebrauchte Wäsche weg mit dem Hinweis, daß ich sie mir in einigen Tagen irgendwo auf der (Huarantänestation wieder abholen Könne.

Jetzt darf ich also endlich meine Nase durch das Bullauge stecken und nach den seit Jahrhunderten gerühmten Wohlgerüchen der Insel schnuppern, die man ja schon weit draußen auf dem Meere soll riechen Können. So sehr ich mich anstrenge, ich Kann beim besten Villen nichts erschnüffeln- es riecht lediglich nachSchiff". So beruhige ich mich schließlich damit, daß vielleicht der wind schlecht steht. Dagegen stelle ich fest, daß es draußen recht regnerisch aussieht. Das ist für die in allen Tonarten beschriebene und besungene Zimmt- und Perleninsel Ceylon mit ihrer sagenhaften landschaftlichen Schön­heit Kein entsprechender Empfang. Kber das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Jetzt ist Regenzeit! Da Kann man eben nichts Besseres erwarten und sich höchstens nur ausmalen, wie das alles im Sonnenglanze aussehen mag.

Doch der Himmel hat einigermaßen Erbarmen mit mir. Wie ich mit meinen sieben Sachen an Land rudere, Kann ich wenigstens trocken den Zoll erreichen. Und ich bin auch sonst zufrieden- es geht schnell bei den englischen Beamten. Ich zahle die üblichen Ge­bühren für Gewehre usw. und durch bin ich.

Kber wahrhaftig! Raum trete ich aus dem Zollschuppen auf die sehr belebte Straße, da weht mir doch so etwas wie aromatische Gewürzluft Tevlonluft entgegen. Ich

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