Print 
Im Lande meiner Modelle / von Wilhelm Kuhnert
Place and Date of Creation
Page
247
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Die schauderhaft langen Regenmonate mit ihren greulichen Begleiterscheinungen be­ginnen sich zu verabschieden. Nur hin und wieder fällt noch ein leichter Platzregen im Mai. Kuch die zeitweise schier unerträglich schwülen Nächte werden angenehm frisch, mitunter sogar Kalt. So atme ich auf und freue mich auf die Kommende Zeit.

lvohin ich Komme, prangt die Landschaft im üppigsten Grün. Das Gras hat eine ungeheure Höhe und Dichte erreicht. Kber wo das Land überschwemmt war, sind weite, tiefe Moräste zurückgeblieben, die gar nicht oder nur teilweise mit der Zeit austrocknen. Kus ihnen gähnt steter Fieberhauch.

Wo noch vor Kurzem ein ansehnlicher Fluß seine Wasser öahinwälzte, rinnt heute ein schmales, unscheinbares Wässerchen, das in der allernächsten Zeit völlig versiegen wird. Dann bleibt das breite Sandbett zurück, in dem angeschwemmte Baumstämme und Geäst vom ehemaligen Toben der Wasser Zeugnis geben. Ein typischer Regenfluß, der mit der Regenzeit erstirbt. Meilenweit Kann man nun seinen trockenen Lauf verfolgen, ohne einen Tropfen Wasser zu finden. Nur selten bleibt an geeigneten Stellen ein Tümpel zurück, der die Trockenzeit überdauert, hier entsteht dann ein Lieblingsplatz für jegliches Wild, eine weit und breit benutzte und bekannte Tränke.

Aber auch die stets Wasser führenden großen Flüsse gehen, und wenn sie auch noch so weit aus den Ufern getreten waren, auf ihre ursprüngliche Höhe, in ihr altes Bett zurück.

Wo man in der Steppe während der Regenzeit mit wilden Regenbächen zu Kämpfen hatte, verlegen jetzt bis zehn Meter tiefe, senkrecht abfallende Flußbetten dem Reisenden den Weg. Kn ihrer ganzen Bildung Kann man so recht sehen, wie das Wasser gearbeitet, den steinigen Grund gelockert und den weicheren Boden fortgeschwemmt hat. Solche trockene, ehemalige Rinnsale sind auch jetzt nur mit viel zeitraubenden Schwierigkeiten zu überqueren. Da ist es mir häufig geschehen, daß ich weite Strecken laufen mußte, ehe ich einen für die Träger mit ihren Lasten leidlich zu benutzenden Übergang fand. Reiht sich dann in mancher Gegend Rinnsal an Rinnsal, so daß es ein ständiges hinauf und hinunter gibt, Kann man es wirklich recht satt bekommen.

Es dauert lange, mitunter Monate, ehe das grüne Landschaftsbild wieder ver­schwindet. Zuerst schreitet die Verfärbung ganz allmählich vorwärts, bald aber macht sich die Wirkung des ständig herniederbrennenden Sonnenstrahles deutlicher bemerkbar. Der Höhepunkt der Trockenzeit tritt ungefähr nach 45 Monaten ein. Dann sind nur

247