Heute ahne ich einen „großen Tag" voraus. Ich habe mein Lager am Ruhudjefluß aufgeschlagen und mich eben in gehobenster, rosigster 5timmung aus der Decke geschält. Es ist noch recht duster draußen, während ich vom Lager aufbreche. Kber im Gsten lichtet es sich über den Büschen beinahe strahlend- das muß gutes Wetter geben!
Line angenehme Frische liegt in der Luft. Der Tau hängt an allen Blättern und Zweigen, und ehe ich die 50 Meter vom Lager bis zum Boote zurückgelegt habe, bin ich „durch". Ich will aber nicht behaupten, daß mir die Erfrischung besonders zusagt, darum begrüße ich den ersten Sonnenstrahl mit aufrichtiger Freude.
Es ist ein wundervoller Morgen, dabei, wie in der Trockenzeit stets in der Frühe, absolute Windstille. Lautlos besteige ich mit vier meiner Leute das Kanu. Ich will nur hinüber zum jenseitigen Ufer. Dort spürte ich vor wenigen Tagen auf der Heimkehr von einer Pirsch die alte Fährte und trockne Losung eines ganz Kapitalen Büffels, eines sogenannten Einzelgängers. Nun bringt mir gestern abend ein Mann die Meldung, daß er glaube, da drüben, hart am Uferrande, ganz frische Losung gefunden zu haben. Das war mir natürlich eine höchst willkommene Botschaft.
Mein Gang auf gut Glück soll also diesem unbekannten Recken gelten.
Jetzt steigt zu meiner Rechten der glühende Sonnenball hinter einer rotvioletten Wolkenkulisse auf, und wie durch Zauberschlag färbt sich der Fluß und seine Ufer mit warmem, orangefarbenen Licht. Und das Wasser dampft in der Morgenkühle.
Jenseits des Flusses sind die Geländeverhältnisse Keine erfreulichen. Zuerst breitet sich hinter dem schmalen, struppigen und undurchdringlichen Ufergebüsch eine zirka 120 Meter lange und 70 Meter breite Fläche aus, die mit ihrem Kurzen, Krautartigen Pflanzenwuchs den Eindruck eines Rleestückes macht, hinter diesem Fleck ragt im Umkreise 4—5 Meter hohes Schilf — Matete — empor.
Ich erklimme das Ufer und spüre zunächst nach links zu alles sorgfältig ab,- dabei stoße ich auf die alte Losung. Line Kurze Strecke weiter treffe ich eine völlig frische Fährte, die nur vom heutigen Morgen stammen Kann. Und jetzt, wenige Schritte weiter, stehe ich vor ganz warmer Losung. Mein Jagdbov schiebt mit Rennermiene seine große Zehe in den Haufen,- das übliche Mittel zur exakten Erforschung der Kltersverhältnisse. Die Diagnose lautet recht günstig: ganz frisch!
Eine solche Entdeckung löst sofort die eigenartigsten Gefühle aus, und stumm halte
180