Unweit des Lagers, jedoch völlig außer Sicht- und Hörweite, habe ich mir einen sicheren und festen Dornenverhau als Knstands- und Beobachtungsposten hergerichtet. Er liegt hart am hohen Uferrande des Flusses. Schräg gegenüber befindet sich eine 12—15 Meter breite wildtränke, die ich von hier oben gut übersehen Kann. Kn der linken Seite zieht sich ein breiter Streifen hohen Schilfes hin, in dem einzelne große Bäume stehen. Das diesseitige Ufer umsäumt dichter Galeriewald. Mein Platz ist also ganz gut gewählt und verspricht mit seiner sorgfältigen Verblendung bei den zu erwartenden Mondnächten die besten Aussichten.
Wie ich bereits festgestellt habe, laufen eine Menge Spuren und Fährten der verschiedensten Tierarten über das Ufer der seichten und sanft abfallenden Tränke. In erster Linie bin ich erpicht auf meinen speziellen Freund „simba" — den Löwen. Und vielleicht habe ich Glück! Ich bin überzeugt, an diesem günstigen Platze wird es immer etwas zu sehen geben. Es liegt mir nicht daran, Strecke zu machen, beobachten will ich, und das soviel als möglich, wenn es mich dann als Jäger eine gehörige Portion Überwindung Kostet, nicht anzubacken, so macht es mir auf der anderen Seite der Maler wieder leichter, das Schießen zu unterlassen.
Daß zu solchem Ansitzen guter wind gehört, ist wohl selbstverständlich,- im anderen Falle Kann man ruhig zu Hause bleiben.
So beziehe ich mit Gewehren, Feldstuhl, Laterne und dicken Sachen für die Nacht mit zwei Leuten gegen einhalb vier Uhr meinen Posten. Noch wirft die Nachmittagssonne warme Lichter durch die Zweige und gaukelt die mannigfaltigsten Reflexe auf die trüben, ruhig dahinziehenden Fluten. Ich habe es mir bequem gemacht und mein Pfeifchen brennt.
Zunächst ist es die gefiederte Welt, die mir die Zeit angenehm vertreibt, prächtige orangefarbene Feuerweber treiben vor mir ihr Wesen. Zahllose Nester hängen von den Zweigen direkt über den Fluß. Es sind merkwürdige, etwa doppelt faustgroße, birnen- förmige, wie an einem dünnen Faden hängende Gebilde,- und sieht man sich so ein Kleines Kunstwerk näher an, so möchte man glauben, es sei von geschickten Menschenhänden geflochten und um das Kufhängeästchen gewickelt. Das Flugloch befindet sich auf der Unterseite. In unzähligen Exemplaren umschwärmen die Kleinen, finkengroßen Bau- Künstler unter ohrenbetäubendem Gezwitscher ihre Wohnstätten, hängen sich von unten an, schlüpfen ein und aus und schaffen Futter herbei. Die Männchen in ihrem Pracht-
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