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Im Lande meiner Modelle / von Wilhelm Kuhnert
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Es sind meilenweite, schier endlose, sonnenverbrannte, gelbe Grassteppen, die wir zunächst durchwandern wollen. Rein Baum, Kein Strauch, Keine Bodenerhebung ist im weiten Umkreise zu erblicken der Horizont bildet eine schnurgerade Linie---

So wenig abwechslungsreich sich auch im ersten Augenblick das Landschaftsbild zeigt, so schnell wird der Wanderer eines besseren belehrt, denn schon beim Betreten dieser Graseinsamkeit entdeckt das geübte Auge überall stehende dunkle und sich bewegende Punkte, dann wieder geschlossene Massen, und erkennt, daß hier in dieser Öde eine über­aus große Tierwelt ihr Dasein verbringt.

Dort etwas über dem Horizont eine eigenartige Erscheinung. Fünf bis sechs schwarze, rundliche Punkte tanzen in schwingender Bewegung nach rechts. Man glaubt zunächst an große Raubvögel- es sind Strauße. Auf die große Entfernung hin ver­schwinden in dem Licht hals und Beine, so daß dem Auge nur noch der Kugelige Rörper erkennbar bleibt, und so glaubt man, daß der große Vogel Strauß in der Luft daherschweöe.

pirscht man weiter, so fallen zwei Wildarten besonders auf. Erstens das Gnu. Es ist tatsächlich eineErscheinung"! Wer es betrachtet, dem Kommt wohl stets der Hinter­gedanke, daß bei seiner Erschaffung möglicherweise ein Kleiner Fehler passiert sein Könne. Welches Tier besitzt einen derartig ungearteten Rovf, eine so mißgestaltete Muffel, wie eben dasnvumbu" Gnu! Tritt dann so ein Bursche im Abenddämmerlicht langsam hinter einem Busch hervor, so daß zuerst nur der dunkle Ropf und hals sichtbar werden, dann Könnte man glauben, der leibhaftige Teufel mache seine Visite.

Aber die Sache ist noch verzwickter: Dieser unförmige Uovf sitzt auf gutgeformtem Rörver mit sehnigen Läufen. So erkennt man beim näheren Zusehen auch hier, daß die Natur Kein Geschöpf ganz stiefmütterlich behandelt hat, irgendeine Schönheit hat jedes.

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K

Strauße.

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