Nacht!
Es ist ein tiefeinsamer Winkel, weit hinten am Ufer des Weriweriflusses. Wäre es Tag, so spiegelte sich in seinen Fluten der herrliche Galeriewald. Dann stände im öämmrigen Schatten seines Laubdaches das luftige Zelt eines Europäers, weltvergessen, wunderbar idyllisch — mein Jagdlager.
Und wenn dann der Sonnenglast auf dem üppigen Gezweige lagert, erfüllt vielstimmiges Vogelgeschrei die Luft, verrät sich ringsumher geheimnisvolles Leben. In schillernder Farbenpracht schwirren Eisvögel über die Wasserfläche, oder stehen rüttelnd in der Luft die geperlten Grau fisch er über dem Wasser, um plötzlich wie ein Stein in die trübgelbe Flut zu plumpsen. Und dort oben im Gezweige die Spukgestalten der merkwürdigen Nashornvögel. In mehreren Krten sind sie vertreten. So erlebt an diesem Platze jungfräulicher Natur zunächst der vogelfreund unvergeßliche Stunden.
Und dann dröhnt von Zeit zu Zeit, bald hier, bald dort, vom Flusse her unheimliches Gewieher durch die Luft. Nilpferdgrüße!
hinter dem grünen Dome des Galeriewaldes aber breitet sich die lichte, weite Grasebene aus, nur mit ganz vereinzelten Bäumen bestanden.
Kber jetzt ist es Nacht — sternenklare Nacht!
Rein Lüftchen regt sich. Mt heiserem Rrächzen zieht ein Nachtreiher gespenstig dahin. Nun ist es in der weiten, unheimlichen Wildnis nur um so stiller. Wildnis- zauber . . .
Der Brand des Lagerfeuers, gestern abend noch hell und freudig prasselnd, ist längst zusammengefallen. Nur ab und zu züngelt es wohl noch mit blauen Flämmchen aus der schneeweißen Ksche, die Keine Spur mehr von den Knorrigen Stämmen übriggelassen hat.
Es ist Kühl und man fröstelt. Ietzt breiten sich mit Behagen Kalte Hände aus über der ersterbenden Glut, ehe man sie verläßt. Und nun stapft man langsam durch den schlummernden Flußwald, hinaus nach der bereits im Zwielicht sich geisterhaft dehnenden Steppe. Drei meiner Leute begleiten mich- sie zittern vor Rälte. Mein Ziel ist eine alte Tamariske, etwa dreiviertel Stunden Weges, hier will ich den erwachenden Tag erwarten und beobachten. Es ist Keine RleinigKeit, ohne Führer und auf sich selbst angewiesen, diesen Baum bei solchem Licht zu finden. Kber nun sitze ich zufrieden unter ihm im treuen Feldstuhle, ganz nahe am Stamm und zwischen einem Gewirr zur Erde
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