25
VI. Das Triangulationsnetz
mit einem Anhang: Der Rückwärtseinschnitt auf der Kugel. Von A. Wedemeyer. 1 )
über die Gewichte der zur Rechnung verwandten
Die von Herrn Dr. J a e g e r ausgeführte Vermessung sollte für die im Maßstab 1:150000 herzustellende Karte des bereisten Gebietes möglichst sichere Koordinaten der Hauptpunkte liefern. Da in einer solchen Karte Winkelfehler von einigen Minuten kaum merkbar sind, so wurden, je nach Umständen, die Hauptpunkte der neuen Karte teils mit dem Theodoliten, teils mit dem Peiltisch, teils mit beiden Instrumenten zugleich angeschnitten. Um den Anschluß der neuen Karte an Uhligs Merutriangulation zu ermöglichen, wurden, soweit angängig, auch auffällige Punkte der Merutriangulation und der Deutsch-Englischen Grenzver- messung angepeilt. Da die weit entfernten Berggipfel nicht scharf angezielt werden konnten, der Anschluß mithin den mitgeführten Hilfsmitteln nicht entsprechend ausfallen mußte, suchte Herr Dr. J a e - ger diesem Nachteil durch Messen einer Basis in dem vermessenen Lande entgegenzuwirken. Jedenfalls mußte durch den auf doppelte Weise ermöglichten Anschluß eine Prüfung der errechneten Koordinaten und damit auch der Messungen, auf denen die Rechnung beruht, gewonnen werden.
Uber die Messung der Basis hat Herr Dr. J a e - ger bereits berichtet (Abschnitt V), wobei er als mittleren Fehler den Wert 0,21 m angibt. Mit Rücksicht auf die zur Messung dieser langen Strecke (1108,06 m) verwandten Hilfsmittel habe ich diesen Wert nicht für wahrscheinlich gehalten und daraus keine Folgerungen gezogen. Das heterogene Beobachtungsmaterial — die Winkel der Peiltischblätter müssen infolge ungleicher Papierzerrung mit Fehlern behaftet sein, deren Grenzen nicht einmal abgeschätzt werden können 2 ) — hätte überhaupt derartige Schlußfolgerungen nicht zugelassen. Deshalb habe ich mir auch allenthalben die Mühe der Berechnung wahrscheinlicher Fehler der Koordinaten erspart, denn der damit verbundene enorme Arbeitsaufwand kann durch das zu erwartende Ergebnis nicht gerechtfertigt werden. Solche Fehlerangaben können meines Erachtens nur einen Sinn haben, wenn man
J Für die mühsame Bearbeitung und Berechnung meiner Triangulation sage ich Herrn Dr. Wedemeyer meinen herzlichen Dank, desgleichen Herrn Professor Dr. Kohlschütter für seinen fachmännischen Rat bei dieser Arbeit. F. J.
2 ) Nach meiner täglichen Erfahrung mit Seekarten, die auf bestem Papier hergestellt werden, dürfte diese Behauptung nicht übertrieben sein.
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungslieft 4.
Peilungen sichere Annahmen machen darf, was im vorliegenden Falle ganz ausgeschlossen war. Die Messungen sind gelegentlich gemacht und nicht nach einem einheitlichen Plane ausgeführt, wie Herr Dr. Jaeger mir hei Übergabe des Materials mitteilte. Dies geht auch aus der höchst ungünstigen Lage mehrerer Vierecke hervor. Hätte Herr Dr. Jaeger vor Antritt der Reise die Absicht gehabt, das bereiste Land zu vermessen, so würde er sich, falls ihm an den Universitäten dazu überhaupt Gelegenheit geboten würde, genauer über die Anlage von Vermessungen orientiert haben, wodurch er sich auf der Reise viele Mühe erspart und mit geringerer Mühe ein besseres Ergebnis erzielt hätte. Aus der Tatsache, daß einige Vierecke größere Schlußfehler haben, darf man aber nicht ohne genauere Prüfung die Messungen einer gründlichen Bearbeitung unwert erachten, wie geschehen war. Man muß noch bedenken, daß ohne eigene Kenntnis des Landes und der näheren Begleitumstände nicht einmal angegeben werden kann, ob der Beobachter in dem unerforschten Lande in der Lage war, günstigere Punkte auszuwählen und bessere Messungen mit den nicht durch Baken oder .Signale bezeichneten Zielpunkten zu machen.
Ich mußte daher zuerst danach trachten auf dem kürzesten Wege mir ein Urteil über die Brauchbarkeit der Messungen zu einer gründlichen Bearbeitung zu verschaffen. Die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit bezeugt schon, daß das Urteil nicht ungünstig ausgefallen ist. Infolge einer größeren Anzahl Kontrollpeilungcn, wie sic sich bei einer ungeschlossenen Dreieckskette von seihst darbieten, konnten grobe Ablese- oder Messungsfehlcr von vornherein entdeckt und von der Arbeit ausgeschlossen werden. Ferner mußte ich feststellen, oh die gemessene Basis hei der endgültigen Ausgleichung mit berücksichtigt werden durfte, worüber Zweifel bestanden.
Kriterium für die B r a u c h b a r k e i t der Basismessung und P e i 1 u n g e n. Nach dem Vorschläge von Herrn Dr. K o bisch ii 11 e r habe ich die Strecke Elaneirobi—Lool- malassin ß als Kriterium für die Bewertung der Basismessung herangezogen. Diese Strecke w ai bereits in eine vorläufige Ausgleichung des Meiu- Netzes miteinbezogen. Durch eine vorläufige Ausgleichung' weniger Vierecke der Jaeger sehen \ et-
4