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Briefe eines deutschen Mädchens aus Südwest / von Clara Brockmann
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1. Anklänge an ein klassisches Zeitalter.

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Meiner der ersten Beamten unserer Kolonie sagte mir einmal:Wir können hier leben wie die Alten zu Zeiten von Schiller und Goethe wenn etwas in uns ist!"

Ich habe diese Worte lange in meinem Herzen bewegt. Und da man oft eine Gewissensfrage über das Leben im Schutzgebiet an mich richtete, soll eine Betrachtung über diesen Ausspruch zugleich die Antwort sein.

Sie werden da wenig Parallelen finden," entgegnet man mir. Doch, es gibt solche, man muß sie nur suchen.

Versetzen wir uns also einmal um 150 Jahre zurück. Es war ein Zeitalter voll scharfer Gegensätze; trotz stiller Beschau­lichkeit gärten tiefe Konflikte. Aberglaube und pietistische Frömmigkeit kämpften mit der Welt der Aufklärung, die hart das Reich der Frivolität streifte. Man watete bis über die Knöchel in Rosen und verkaufte seine Landeskinder, um den Launen der Maitressen zu genügen. Ausgeprägte Selbst­herrschaft, Liebedienerei, Sittenlosigkeit, das war die Losung der Großen jener Welt: im Bürgerhause herrschte väterliche Autorität, Rute und Stock, und unter tränenseliger Gefühls­duselei, Spinettklimperei, Französischparlieren und der Miß­achtung vaterländischer Bräuche flössen die Jahrzehnte wie Jahre dahin. Es war eine schlimme Zeit, diese gute, alte ach, man verbrannte in mittelalterlicher Bestialität sogar noch Hexen.

Briefe eines deutschen Mädchens aus Südwestafrika. (1)

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