VI.
Weithandel und Weltverkehr.
Der Wettbewerb auf dem Gebiete des Welthandels und des Weltverkehrs wird sich in der Zukunft hauptsächlich zwischen 5 Staaten der Erde abspielen, zwischen England, den Vereinigten Staaten Nordamerikas, Deutschland, Rußland und Japan. Andere Staaten, wie besonders Frankreich, Italien und Norwegen, kommen nur für gewisse Meere, nicht für den großen Weltverkehr in Frage.
England steht unter den 5 Handelsmächten an der Spitze. Es hat eine sehr günstige Meereslage, vor allem für den Handelsverkehr mit dem mächtig aufblühenden Nordamerika, besitzt eine sehr leistungsfähige Industrie, verfügt über ein ungeheures Kolonialreich und hat sich für seine große Handelsund Kriegsflotte, von denen jede die größte auf Erden ist, überall gut gelegene Stützpunkte gesichert; auch die große Verbreitung, welche die englische Sprache in den jetzigen und früheren Kolonien genommen hat, ist sehr bedeutungsvoll, weil die Sprache das Band für enge Kulturbeziehungen knüpft.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika besitzen kein ausgedehntes Kolonialreich; aber im eigenen Lande stehen einer hochentwickelten Industrie größere natürliche Hilfsmittel zur Verfügung. Die Weltlage ist nicht so günstig wie die Englands. Die dichtbevölkerten Gebiete sowohl Europas als auch namentlich Asiens sind mehr entrückt. Zu letztern wird die Lage viel günstiger nach Eröffnung des Panamakanals. Aber auch dann ist sie noch nicht so günstig, weil Amerika Asien die armgegliederte und Avenig besiedelungsfähige Westseite zukehrt. Man vergleiche die Entfernung Englands und der Ostküste der Vereinigten Staaten von Indien und China! An der Gunst, die England aus der großen Verbreitung der englischen Sprache erwächst, nehmen auch die Vereinigten Staaten teil.
Deutschland, dessen Handelsverkehr sich ebenfalls auf eine hochentwickelte Industrie stützen kann, steht in der Gunst der Meereslage England durchaus nicht so weit nach, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. Trotz des schmalen holländisch- belgischen Zwischenhandels ist es eine atlantische Macht; vor allem vermag es aber von der Nordseeküste aus an den Vorteilen der Verkehrslage Englands teilzunehmen. Für den Handelsverkehr mit den europäischen Völkern hat es sogar eine bevorzugte Lage. Als Kernstaat Europas kann es einen unmittelbaren Nahverkehr mit vielen Staaten pflegen, und während England den Einfluß im Mittelländischen Meere mit anderen Handelsstaaten, besonders mit Frankreich und Italien, teilen muß, ist Deutschland