Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Die deutschen Kolonien.

Deutsch-Südwestafrika ist nur schwach bevölkert. Die Gesamtzahl der Bewohner wird höchstens 200300000 betragen. Die bedeutendsten Volksstämme sind die Herero, die zu den Bantuvölkern gehören, sowie die viel schwächlichem und gelb­häutigen Hottentotten, die zusammen mit den Buschmännern eine Völkergruppe für sich bilden. Ferner gibt es noch zahlreiche Bastards, eine Mischrasse von Hottentotten und Kapländern. Die Zahl der Weißen beträgt einschließlich der Schutztruppe schon über 4500.

5. Die Kolonie Kiautschöu.

An der Südküste der Halbinsel und chinesischen Provinz Schantnng hat das Deutsche Reich i. J. 1898 von China durch Pacht (auf 99 Jahre) die Bucht Kiautschöu erworben, um dort einen Stützpunkt für den deutschen Handel und für die deutsche Marine anzulegen.

Die Bucht kann am besten mit dem Jahdebasen an der Nord­seeküste verglichen werden. Sie ist'13 km lang und 26 km breit. Durch die Ablagerungen eines einmündenden Flusses ist zwar ein Teil der Bucht sehr seicht geworden, und die chinesische Stadt gleichen Namens liegt jetzt etwa 8 km vom Ufer entfernt. Die für eine Kriegsflotte verfügbare Wasserfläche von genügender Tiefe beträgt aber 56 qkm. Wichtig ist, daß der Hafen stets eisfrei ist. Auch der Schutz, den Gebirgshöhen gegen nördliche Winde bieten, ist für die Schiffahrt bedeutungsvoll. Für strategische Zwecke eignet sich die Bucht ganz hervorragend, weil zwei vor­springende Halbinseln, die leicht zu befestigen sind, die Einfahrt stark einengen.

Das Pacht gebiet umfaßt einschließlich des Wasserspiegels der Bucht etwa 920 qkm und ist noch von einer neutralen Zone, die 50 km landeinwärts reicht, umgeben. In dieser ist China in allen Anordnungen an die Zustimmung der deutschen Regierung gebunden, während es für das Pachtgebiet auf alle Hoheitsrechte verzichtet hat. Für die deutsche Niederlassung wurde der Ort Tsingtau ausersehen, der mit Hafenanlagen ausgestattet wurde und schon in erfreulicher Entwicklung begriffen ist. Die Schantung- Eisenbahn, welche mehrere Kohlenlager erschließen soll, ist glücklich von Tsingtau bis Tsinan am untern Hoangho fertig­gestellt worden und konnte im März 1904 den Betrieb auf der ganzen Strecke eröffnen.

Der Wert des Besitzes von Kiautschöu für den Handel wird dadurch erhöht, daß Schantung eine dicht bevölkerte Provinz mit fast 40 Mill. E. ist und seine Bewohner sich durch ein wohl­gesittetes Betragen, Klugheit, Ordnungsliebe, Arbeitsamkeit und geschäftlichen Sinn auszeichnen. Schantung ist einer der ältesten Sitze der Seidenraupenzucht. Jedes zur Kultur geeignete Plätzchen wird wie im übrigen China sorgfältig bebaut. Von In-