Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
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Die deutschen Kolonien.

seengebiet einen Hirtenadel unter den von ihnen unterworfenen Bantu bilden, aber deren Sitten angenommen haben. Im S machten kriegerische Suluvölker räuberische Einfälle. Dem Selbsterhaltungs­triebe folgend, ahmten viele Völker die Gewohnheiten dieser Er­oberer vollständig nach und begannen ein ähnliches Leben, eben­falls Schrecken unter ihren Nachbarn verbreitend. Die arabischen Sklavenjäger unternahmen von der Ostküste aus ihre Raubzüge. In diesem Zustande des Raubens und Mordens übernahm Deutsch­land die Kolonie, und es war anfangs schwierig, geordnete fried­liche Zustände herzustellen. Durch Mischung mit den Arabern hat sich an der Küste die Mischrasse der Suaheli (swaheli, d. h, Küstenbewohner) gebildet. Diese haben den Islam angenommen, während die Völker des Innern Heiden geblieben sind. Sie haben als Träger und Handelsvolk Bedeutung, und ihre mit arabischen Worten durchsetzte Sprache ist die Verkehrssprache in einem großen Teile des äquatorialen Afrika geworden. Die Araber haben als Großgrundbesitzer, Karawanenführer, Kleinhändler und Schiffer auch heute noch große Bedeutung. Während sie früher die poli­tischen Machthaber waren, beherrschen die in den Küstenplätzen als Kaufleute, Bankiers ansässigen Inder, die englische Unter­tanen sind, noch immer das wirtschaftliche Leben der Kolonie.

4. Die Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Deutsch-Südwestafrika ist die älteste Kolonie Deutsch­lands, da das Gebiet bereits am 24. April 1884 unter deutschen Schutz gestellt wurde, nachdem der Bremer Kaufmann Lüderitz schon 1. Mai 1883 einen Landstrich um den Hafen Angra Pequena im S erworben hatte. Die Kolonie ist die zweitgrößte Deutsch­lands, mißt 835 000 qkm und stößt auf einer Strecke von 1500 km an das Meer.

Während wir Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika in vier Naturgebiete teilten, reicht für Deutsch-Südwestafrika eine Zwei­teilung aus, nämlich in das niedrige Küstenland und in das Steppenhochland des Innern.

Die Küstenzone, in der Nähe der Walfischbai Namib genannt, ist in einer Breite von 5090 km traurig-öde. Kalte Auftriebwasser des Meeres und kühle Südwestwinde rufen wohl Nebelbildung hervor, verhindern aber die Regenbildung. Die große Regenarmut verhindert die Entwicklung des Pflanzen­lebens fast vollständig. Das ungeschützte nackte Gestein war infolgedessen den zerstörenden Naturkräften v völlig preisgegeben. Durch schroffen Temperaturwechsel, durch die Kühle der Nacht nach der starken Sonnenbestrahlung, wurde eine tiefgehende Zer­störung desselben bewirkt. Da aber die Gesteinstrümmer nicht durch fließendes Wasser fortgeschafft wurden, häuften sie sich immer höher an. Das frühere Küstengebirge wurde unter seine eigenen Trümmer gleichsam begraben, so daß jetzt nur noch die