Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
Seite
337
Einzelbild herunterladen
 

Die Kolonie Deutsch-Ostafrika.

337

Völkerscheide. Jenseits dieser Linie sieht man sich plötzlich gleichsam in eine andere Welt versetzt, da dort \die Bewohner in allem, in Gestalt, Tracht, Waffen, Wohnungen und Lebensweise von den Küsten- und Waldbewohnern abweichen. Während bei den heidnischen Bantunegern eine große politische Zersplitterung herrscht ihre Häuptlinge führen den stolzen Namen King, d. h. König, hat bei den Sudannegern die Einführung des Islams die Bildung größerer Staatsverbände bewirkt, wie es auch im Hinterlande Togos der Fall war; die Marktplätze, die meist befestigt sind, wurden volk- und gewerbreiche Städte, besonders in Adamaua, wo Ngaundere 30000 E zählt. Von N her haben die Sudanneger Pferd und Buckelrind mitgebracht, die den Bantunegern fehlen. Der wichtigste Volksstamm der letzteren sind die Dualla, ein Handelsvolk an der Küste, das früher den ganzen Zwischenhandel beherrschte und denselben mit hohen Durch­gangszöllen belegte.

3. Die Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Zwischen dem Tanganjika-See, dem Viktoria-See, dem Njassa und der Küste Ostafrikas breitet sich Deutschlands größtes Kolonial­gebiet, die Kolonie Deutsch-Ostafrika aus, die seit dem Anfang des Jahres 1888 in deutschem Besitze ist. Dieselbe ist 1 3 /4 mal so groß als das Deutsche Reich. Ihre Bevölkerung wird neuerdings auf etwa 6 Millionen geschätzt.

In ähnlicher Weise wie bei den Kolonien Togo (s. S. 332) und Kamerun (s. S. 335) lassen sich auch bei Deutsch-Ostafrika vier Natur gebiete unterscheiden, nämlich die Küste, das Vorland, das Gebirge und das Hochland von Ostafrika. Im einzelnen zeigen diese Gebiete aber, wie auch schon bei Kamerun, bedeutende Abweichungen.

Die Küste Deutsch-Ostafrikas, Mrima genannt, ist weder so trocken wie die von Togo noch so feucht wie Küstenstrecken von Kamerun. Während wir durch die Reihen der Kokospalmen .an den Strand Togos erinnert werden, versetzen uns Maugrove- Dickichtv in die Sumpfwildnisse Kameruns. Die Kokospalme bildet für den durchlässigen Korallenkalkboden der Küste Deutsch- Ostafrikas eine sehr geeignete Kultur. Es sind jetzt wohl schon «ine Million Bäume vorhanden; aber eine große Vermehrung der­selben ist noch möglich (Ceylon hat etwa 60, Java 70 Millionen Kokospalmen). Überall, wo ein feuchter Boden vorhanden ist, hat sich ein tropisch-üppig er Pflanzen wuchs entwickelt. In­mitten desselben liegen Reisfelder und Zuckerrohrpflanzungen, sowie die Durrah-, Mais- und Maniokfelder der Eingeborenen. Fruchtbares Schwemmland findet sich besouders in den Mündungen der zahlreichen Küstenflüsse Ostafrikas. Für Handel und Schiff­fahrt liegen an der Küste Deutsch-Ostafrikas die Verhältnisse viel günstiger als an der Küste von Togo. Zwar befindet sich

Kerp, Die Aussereuro})äisehen Erdteile, 1904. 22