Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
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Die deutschen Kolonien.

land, die jetzige Kolonie Südwestafrika, unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt. Im folgenden Jahre erhielt der deutsche Generalkonsul und verdienstvolle Afrikaforscher Dr. Nach- tigal in Tunis den Auftrag, einige Küstengebiete am Meerbusen von Guinea, nicht weit von der Stelle, wo schon der Große Kur­fürst mit der Bildung eines Kolonialreichs begonnen hatte, für das Deutsche Reich in Besitz zu nehmen. Im Juli hißte er in Togo die deutsche Flagge und bald darauf auch in dem benachbarten Kamerun. Fast zu gleicher Zeit leitete Di'. Peters die Er­werbung Ostafrikas ein, indem er die Deutsch-Ostafrika­nische Gesellschaft gründete. Noch im Jahre 1884 wurde Ostafrika und im folgenden Jahre auch Witu unter Reichsschutz gestellt. Auch fern in Ozeanien, im Stillen Ozean, war noch herrenloses Gebiet entdeckt worden. Nachdem schon 1884 die Neu-Guinea-Gesellschaft gegründet worden war, wurde im folgenden Jahre ein Teil der großen Insel Neu-Guinea nördlich von Australien nebst benachbarten Inselgruppen als deutsches Schutzgebiet erklärt. Damit schlössen die großen kolonialen Er­werbungen Deutschlands zunächst ab. Es galt nun, durch Ver­träge mit Nachbarstaaten den Besitzstand genauer zu regeln und abzugrenzen. Mit England wurde bezüglich der Kolonie Ostafrika ein Abkommen getroffen, wonach an England die Schutz- herrschaft über die Insel Sansibar und das Land Witu fiel, wäh­rend Deutschland den bisher vom Sultan von Sansibar gepachteten Küstenstreifen Ostafrikas käuflich erwarb und die deutsche Insel Helgoland erhielt.

In der jüngsten Zeit gewann der Kolonialbesitz Deutsch­lands neuen Zuwachs. 1898 wurde Kiautschöu auf der chine­sischen Halbinsel Schantung besetzt, im folgenden Jahre gingen die Inselgruppen der Karolinen und Marianen durch Kauf von Spanien in deutschen Besitz über, und ferner wurde die Insel­gruppe Samoa, die Perle der Südsee, von Amerika und England, die auf ihr Mitbesitzrecht verzichteten, erworben.

1. Die Kolonie Togo.

An der früher so berüchtigten Sklavenküste von Oberguinea liegt die deutsche Kolonie Togo (d. h.Hinter der Lagune"), die Dr. Nachtigal am 5. Juli 1884 unter deutschen Schutz stellte. Sie ist die kleinste der vier deutschen Kolonieen in Afrika und nimmt eine Fläche von rund 80 000 qkm ein, ist also etwas größer als Bayern. Die Einwohnerzahl wird auf 22^2 Mill. geschätzt. Nur mit einer 52 km langen, völlig hafenlosen Küste stößt Togo an das Meer. Nach N wächst es zuerst zur doppelten, dann zur vierfachen Breite.

In dem Oberflächenbilde Togos lassen sich vier Land­schaftgebiete unterscheiden, nämlich die Strandzone mit der Lagune, die Küstenebene oder das Gebirgsvorland, das