Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
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Amerika als Ganzes. Pflanzen- und Tierleben.

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Alle trockenen Gebiete Amerikas zeichnen sich durch die schluchtenförmige, canonartige Bildung der Täler aus. Der Colorado hat das großartigste Canontal, das auf Erden bekannt geworden ist, gebildet, indem er sich über 1600 m tief in die fast wagerecht liegenden Schichten des Colorado-Plateaus ein­geschnitten hat. Ein lehrreiches Beispiel r ü c k w ä r t s s c h r e i t e n - der Bildung eines Durchbruchstales zeigt der Niagara- Fluß, und das seltene Beispiel einer Bifurkation oder Fluß­gabelung zeigen Amazonenstrom bezw. Rio Negro und Orinoco, die durch den Casiquiare in Verbindung stehen.

e) Pflanzen- und Tierleben.

Wie die Klimazonen, so wechseln auch die Vegetations- formen Amerikas nicht bloß von N nach S, sondern auch von 0 nach W. Der Erdteil besitzt zwei große Waldgebiete, das nordamerikanische, das sich in der Breite der Kanadischen Seen als ein breites Band nach W zieht und sich durch die große Zahl der Gattungen und Arten der Holzgewächse auszeichnet, feiner in Südamerika das größte Urwaldgebiet der Erde. Wie durch die große Verbreitung dieser letztem Vegetationsform, die auch in Mittelamerika vorherrscht, Amerika Afrika ähnelt, so auch durch die riesig ausgedehnten, den Savannen ähnlichen Gras­steppen der Prairien, Llanos, Campos und Pampas. Diese trock­nen Gebiete, die im allgemeinen baumärmer als die afrikanische Savanne und streckenweise ganz baumlos, also völlig steppenartig sind, durchziehen fast den ganzen Erdteil in der Mitte von N nach S, wobei bloß der nördliche Teil Nordamerikas und in Südamerika die Niederung des Amazonenstromes ausgeschlossen bleiben. Da­gegen hat Amerika bei weitem nicht so große Wüsten­gebiete wie Afrika und auch Asien; größere Sandwüsten fehlen eigentlich ganz. Als wüstenartige Gebiete sind jedoch die West­küste Südamerikas vom 32.° bis zum 4.° S, ferner das Große Becken Nordamerikas und manche Strecken sowohl des Hochlandes als auch der tiefgelegenen Steppen zu bezeichnen.

Dem Tier leben Amerikas fehlen die großen Dickhäuter, sowie die großen Raubtierarten Afrikas und Asiens. Die Haupt­vertreter der letztern sind neben dem Bären Puma und Jaguar. Lama und Vikuna ersetzen in den Anden Südamerikas, wo der größte Raubvogel, der Kondor haust, das Kamel. In den Gras­steppen Südamerikas leben Herden von verwilderten Pferden und Rindern, während der Büffel Nordamerikas fast ausgestorben ist. Der hohe Norden von Nordamerika ist reich an Pelztieren, während in den tropischen Waldgebieten Südamerikas neben dem Tapir Affen, Schlangen, Papageien und in den tropischen Gewässern die Kaimans oder Alligatoren, die den Krokodilen Afrikas entsprechen, häufig sind.