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Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
134
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Anhang 1.

Die Programmrede des Staatssekretärs Dernburg gehalten in Swakopmund am 21. August 1908.

Am Vorabend vor der Abreise nach Deutschland hat Staats­sekretär Dernburg in Swakopmund eine bedeutsame Rede ge­halten, in welcher er die Ergebnisse seiner diesjährigen Kolo­nialreise zusammenfasst und gewissermassen ein Programm seiner Poütik für Südwest aufstellt.

Auf die Ansprache des Vertreters der Bürgerschaft, Rechts­anwalt Dr. Siedler, erwiderte der Staatssekretär Folgendes: »Deutsch-Südwest ist kein reiches Land, kein Land, in dem Milch und Honig fliesst, kein Land, in das man ohne weiteres hinein­kommen kann, um die reifen Früchte zu pflücken. Es ist ein Land der extensiven Wirtschaft, die nur auf sehr grossen Flächen produzieren kann und in dem der Einzelne eines grossen Grund­besitzes bedarf, um das Nötige für sich und seine Familie zu erwerben. Das ist zweifellos, aber ebenso zweifellos ist das, was in der Heimat so stark bezweifelt wurde und noch be­zweifelt wird, dass dieses Land ein produktives Land ist. Es ist ein grosses und gewaltiges Areal, das überall, wo ich hin­gekommen bin, der Erschliessung harrt. Sie wissen, ich bin von Ukamas bis Windhuk zu Pferde und auf Karre, ich bin von Keetmanshoop nach Lüderitzbucht, ich bin nach dem Norden des Schutzgebietes und ich bin jetzt zu Ihnen gereist, überall, wo ich hingekommen bin, habe ich gesehen, dass dieses Land ein sicherer Produzent ist.

Südwest ist auch kein Land, in das man hineinkommen kann mit allzu geringen Mitteln und sagen kann: Nun will ich mal ein bischen anfangen und nach und nach werde ich mir ein massiges Besitztum herauswirtschaften.