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Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
133
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Antwerpen, den 11. September 1908.

Schlusswort.

Nach einer ruhigen und wundervollen Fahrt auf dem R.-P.- Dampfer »Bürgermeister« unter Kapitän Fiedler ist Staatssekretär Dernburg heute früh in Antwerpen gelandet. Er hat sich auf der Seereise gut erholt und auch seine Begleiter erfreuen sich guter Gesundheit. Die diesjährige Kolonialreise stellte als Ganzes ge­nommen, an Körper und Geist viel grössere Anforderungen, als der Besuch von Ostafrika. An Bord hielten sich Dernburg und auch sein Freund Dr. Rathenau streng abgesondert und sie ar­beiteten stets, um jeder für sich aus dem Gesehenen, Gehörten und dem grossen statistischen Material der Kolonien Südafrikas ihre Schlüsse zu ziehen. Das Ergebnis wird wohl erst in den Verhandlungen des Reichstags der Oeffentlichkeit bekannt ge­geben werden.

Um irrigen Auffassungen vorzubeugen, betone ich am Ende meiner Berichterstattung nochmals, dass meine Schlussfolgerungen nicht identisch mit denen des Staatssekretärs oder von ihm be- einflusst sind. In manchem werden sie von der Ansicht Dern- burgs und auch Dr. Rathenaus abweichen.

Ich habe mich bemüht ein objektives Bild von der Lage der Dinge zu geben. Wenn dies Bild auch nicht immer erfreu­lich ist, so muss ich doch auf Grund dessen, was ich in Süd­afrika kennen gelernt habe, zu dem Ergebnis kommen, da-ss Deutsch-Südwestafrika eine gute, die Kolonialinteressen Deutsch­lands befriedigende Zukunft vor sich hat. Aus Dernburgs Swa- kopmunder Rede am 21. August, 1 ) ist jetzt schon zu ersehen, dass er die Lage des Landes richtig erkannt hat und in seiner Politik einen Weg einschlagen will, der nach den Erfahrungen des bri­tischen Südafrika zum Ziele führen muss.

Dr. Oscar Bongard.

*) Die Rede ist als Anhang beigegeben.