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Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
97
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XVII.

Die Kupfermine in Tsumeb. Die bergbauliche Erschliessung des Landes. Grootfontein und die South-West-African- Company. Ein Löwenabenteuer.

Grootfontein, den 15. August 1908.

Ueber Omaruru, Otjiwarongo, Otavi ging die Fahrt von Karibib aus am 10. und 11. August nach Tsumeb, dem Endpunkt der Privatbahn, welche die Otavi - Minen- und Eisenbahngesell- schalt zur Ausbeutung ihrer Kupferminen gebaut hat. In Tsumeb werden die geförderten Erze mit mindestens 18 Prozent Kupfer­gehalt direkt versandt, die anderen werden verhüttet. In der Rohhütte werden täglich dreissig Tonnen Erze durchgeschmolzen und hieraus acht Tonnen Werkblei und zehn Tonnen guter vierzig- prozentiger Kupferstein gewonnen. Günstig für die Gesellschaft ist, dass Ende 1907 bei der Eisenbahn-Haltestelle Kalkfeld mäch­tige Eisensteinlager gefunden worden sind, die als willkommener Ersatz für die Eisenerzzuschläge herangezogen werden, welche bisher unter Aufwendung hoher Kosten von ausserhalb bezogen werden mussten.

Die Förderung der Gesellschaft betrug im vorigen Jahre 25 700 Tonnen, von denen 14 000 Tonnen verschifft und 3200 Tonnen an die Hütte abgegeben wurden; der Rest lagert auf den Klaubeplätzen. Für das kommende Jahr rechnet man durch die Inbetriebsetzung eines dritten Ofens 60 000 Tonnen fördern zu können.

Arbeitermangel machte sich im Betriebe wiederholt sehr fühl­bar, besonders zur Zeit des Bahnbaus OtaviGrootfontein. Hoffentlich werden die durch Hauptmann Franke mit den Ovambo- Häuptlingen angebahnten Beziehungen hier von gutem Einfluss sein und die Beschaffung von Arbeitern erleichtern. Die Arbeits­kräfte kommen in Tsumeb recht teuer zu stehen, denn die Leistung eines Negers kann nur als ein Drittel der Arbeitskraft eines Euro- Bongard, Dernburg. 7