XVI.
Karibib, den 10. August 1908.
Die Stimmung über Dernburg und Gouverneur v. Schuckmann. — v. Schuckmanns Bestrebungen in der Verwaltung. — Windhuk. — Amerikanische Konkurrenz in der Wagenbauerei. — Die Kleinsiedlungen und ihr Misserfolg. — Die Farm v. Dewitz.
Ehe noch Dernburg Deutsch-Südwestafrika betrat, herrschte gegen ihn eine tiefgehende allgemeine Voreingenommenheit. Entstanden ist sie durch die Zeitungsberichte über den vorjährigen Aufenthalt des Staatssekretärs in Ostafrika. Man glaubte in der Eingeborenenpolitik eine Wendung befürchten zu müssen, welche die jetzt schon schwierige Beschaffung von eingeborenen Arbeitern noch weiter erschweren und dadurch die Krise, in der das Land jetzt nach dem Kriege steht, noch verschärfen würde.
Man glaubte bei den Besprechungen, einem Manne gegenüberstehen zu müssen, der mit einer vorgefassten Meinung, mit einem bereits fertigen Programm in das Schutzgebiet komme, der sich jeder Ansicht verschlösse, die sich nicht mit seiner eigenen deckt und der durch die Kunst der Dialektik, durch eine Sturzwelle unkontrollierbarer Zahlen und Berechnungen, und wenn das nicht reicht, durch Grobheit jeden Einwand der erfahrenen Leute des Landes ersticken würde.
Als ich in Swakopmund und Windhuk mit alten Bekannten über die Lage des Landes sprach und dabei erwähnte, sie möchten nicht vergessen, diesen oder jenen Punkt, der für die Beurteilung der Verhältnisse wichtig, dem Staatssekretär vorzutragen, da bekam ich die entrüsteten Antworten: »Ja, glauben Sie denn, ich werde mich von dem Herrn anschnauzen und wie ein dummer Junge behandeln lassen, so wie er es in Ostafrika mit den Leuten gemacht hat?«
Diese gereizte Stimmung ist vollkommen geschwunden und in den öffentlichen Reden und in der südwestafrikanischen Presse