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Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
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XIV.

An Bord des Admiral, den 31. Juli 1908.

Lüderitzbucht und seine Hafenanlagen. Schlangen in Süd­west. Diamanten im Meere. Kupfer bei Lüderitzbucht.

Im vorigen Briefe habe ich nur ausgeführt, was Lüderitz­bucht augenblicklich in den Vordergrund des Interesses gerückt hat, nämlich die Diamantenfunde. Nun muss ich zur Besprechung des Ortes und Hafens übergehen. Malerisch von hohen Felsen umgeben, dringt der Lüderitzhafen tief in das Land ein, wäh­rend der Roberthafen, gleichfalls von Felsen umsäumt, auf der nordwestlichen Seite nicht festes Land, sondern die Haifisch- und Pinguininseln Hegen hat.

An ihm ist auf felsigem Gelände der Ort Lüderitzbucht er­baut, da Lösch- und Ladeverhältnisse günstiger sind, als beim Lüderitzhafen, der wohl dauernd ausgeschaltet sein dürfte. Von Vegetation sieht man auf dem vulkanischen Gestein keine Spur, und der Anblick des Ganzen erinnert an das Felsennest Aden. Vor zwei Jahren, als ich in Südwest war, bestand der Ort nur aus wenigen, meist aus Wellblech hergestellten Häusern. Heute erhebt sich eine Anzahl stattlicher und massiver Gebäude dort, die Strassen, aus denen überall Felsblöcke herausstanden, sind zum Teil geebnet, und wo früher unter dem Geschrei der Trei­ber die Ochsenwagen mit den ankommenden Gütern nach dem Innern fuhren, schnaubt heute das Dampfross dahin. Wenn die Entwickelung des Ortes auch rasch vor sich gegangen ist, so ist sie doch eine natürliche geblieben und den tatsächlichen Verhält­nissen nicht vorausgeeilt. Man spricht viel über den Ausbau des Hafens von Lüderitzbucht, der an und für sich der beste der westafrikanischen Küste ist. Drei Projekte werden als die wichtigsten erörtert: 1. ein Kai an der Haifischinsel, 2. ein Kai am Fusse des Nautilosberges, 3. eine eiserne Landungsbrücke in der Nähe der jetzigen Hauptlandungsbrücke.